Buchrezension

Brücken bauen statt Barrieren.
Sprach- und Kulturmittlung im sozialen, medizinischen und therapeutischen Bereich

- 01. März 2004 -


International ist sie bereits vollständig etabliert, anerkannt und gefördert, in Österreich ist sie großteils unbe
kannt, wird gebremst und unterschätzt: die professionelle muttersprachliche Betreuung von MigrantInnen im sozialen, medizinischen, therapeutischen Metier.

Um diesem Trend entgegenzusteuern, entwickelte das Institut für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaft (ITAT) der Karl-Franzens-Universität Graz einen Studienlehrgang zum/zur Kommunaldol-metscher/in. Im Rahmen der Planung dieses Lehrgangs veranstaltete das ITAT in Kooperation mit Grazer NGOs wie dem Afro-Asiatischen Institut Graz, DANAIDA, ISOP, OMEGA und ZEBRA zwischen Mai 2002 und März 2003 eine Vortragsreihe mit dem Titel „Brücken bauen statt Barrieren. Sprach- und Kulturmittlung im sozialen, medizinischen und therapeutischen Bereich“. Ziel dieser Vortragsreihe war es, (angehende) DolmetscherInnen, PolitikerInnen, NGO-MitarbeiterInnen und Behördenbedienstete auf die Problematik und die Chance des Kulturdolmetschens hinzuweisen.

Das nach der Vortragsreihe unter selbem Namen erschienene Buch umfasst acht Vorträge von ExpertInnen aus verschiedensten Bereichen, die mit ihren Beiträgen das Thema „Kommunaldolmetschen“ aus unterschiedlichen Blickwinkeln darstellen und damit die Publikation zu einem einmaligen Nachschlagewerk – nicht nur für angehende DolmetscherInnen – machen. Im folgenden eine Auswahl von drei Beiträgen: In einem Beitrag schildert S¸ebnem Bahadir die Möglichkeiten und die Grenzen des Kulturdolmetschens. Unter dem Titel „Multiple Identitäten – Wer oder was ist eine Türkin?“ beschreibt sie die große Verantwortung, die insbesondere türkische KulturdolmetscherInnen zu Tragen haben. Für den/die Dolmetscher/in gilt es eine Gratwanderung zwischen zwei Kulturen zu bestehen.

Ein weiterer Beitrag – er stammt von den beiden ZEBRA-Mitarbeiterinnen Ingrid Egger und Uta Wedam – hat den Titel „Eure Sprache ist nicht meine Sprache. ‘Über-setzen’ – Psychotherapie mittels DolmetscherInnen“. Er handelt von der diffizilen Beziehung zwischen PatientIn, PsychotherapeutIn und DolmetscherIn. Doch nicht nur auf dem Gebiet der Psychotherapie ist die perfekte Zusammenarbeit von HelferInnen, DolmetscherInnen und PatientInnen von größter Wichtigkeit. Auch im Krankenhaus ist der Einsatz von geschulten KulturdolmetscherInnen (lebens)notwendig. Éva Rásky, Gerald Ressi und Christine Anderwald gehen in ihrem Beitrag „Medizinische Betreuung von Migrantinnen und Migranten und der Einsatz von DolmetscherInnen in der Marienambulanz“ auf die Rolle von KommunaldolmetscherInnen im klinischen Bereich ein.

„Die größten Tragödien in der Welt und im Leben des Einzelnen entspringen aus Missverständnissen. Das Heilmittel: die Aussprache.“, schreibt der amerikanische Poet Gordon Dean in einem seiner Gedichtbände. Ohne (Aus-)Sprache, ohne Möglichkeit des Dialogs, wird man missverstanden bleiben…

Julian Ausserhofer

Homepage des Instituts für Translationswissenschaft an der Karl-Franzens-Universität Graz
Hier kann man das Buch "Brücken bauen statt Barrieren. Sprach- und Kulturmittlung im sozialen, medizinischen und therapeutischen Bereich" bestellen. Der Preis beträgt 15,- Euro (für Studierende 10,- Euro).