In Anwesenheit von Gesundheitsstadträtin Wilfriede
Monogioudis und VertreterInnen der Grazer Stadtparteien sowie Andrea
Lins vom Fonds Gesundes Österreich (FGÖ), der gemeinsam mit
dem Sozial- und dem Gesundheitsressort des Landes Steiermark wesentlich
an der Finanzierung des Projektes beteiligt war, wurden den AbsolventInnen
des Fortbildungsprogramms die Zertifikate überreicht.
Seit fünf Jahren führt ZEBRA nunmehr Schulungsprogramme
für MigrantInnen durch, die zu MultiplikatorInnen im Gesundheitsbereich
geschult werden. MultiplikatorInnen sind informierte Personen, deren
Ziel es ist, in ihrem familiären, sozialen, kulturellen und sprachlichen
Umfeld Hilfestellungen anzubieten, Rat zu geben und durch den Dschungel
der Institutionen zu führen. "Es handelt sich dabei um ein
niederschwelliges, ehrenamtliches Angebot“, so Monika Genböck,
Projektmitarbeiterin von ZEBRA. Wichtig ist, dass MultiplikatorInnen
neben akuten Hilfestellungen auch vorsorgend und präventiv wirken,
etwa im Bereich von Ernährung, Hygiene, Bewegung, Mutter-Kind Pass
und regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen.
Von MultiplikatorIn zu GesundheitsreferentIn
Nach dem Ende der dritten Schulung im Juli 2002 wurde
von ZEBRA ein neues Konzept entwickelt, das zum Ziel hatte, für
eine ausgewählte Gruppe von MultiplikatorInnen ein Fortbildungsprogramm
anzubieten, dass sie auch befähigt, in Institutionen zu wirken.
Ziel dabei ist, dass sich Sozial- und Gesundheitseinrichtungen der speziellen
Gruppe der MigrantInnen mit ihren Bedürfnissen und Wünschen
hin wenden, entsprechende Angebote zu schaffen und den Zugang der Gruppe
zu den bestehenden Angeboten zu sichern. „Und da gibt es eine
Vielzahl an Hindernissen, die mittlerweile hinlänglich bekannt
sind“, wie Projektleiter Wolfgang Gulis erläutert.
Das über 18 Monate laufende Projekt, das den Auszubildenden
auch professionelle Rahmenbedingungen bot, u.a. gab es zwei Kursbetreuerinnen
und NetzwerkarbeiterInnen, zeitigte bereits Erfolge. So entstanden im
Rahmen von Praktika im Netzwerk Kontakte, die zu kontinuierlichen Konsultationen
führte und auch zu Teilzeitjobs. „Die GesundheitsreferentInnen
haben sich spezialisiert und ihr jeweiliges Thema gefunden“ freut
sich Monika Frind, Netzwerkarbeiterin im Projekt.
Ali Alaa, Absolvent des Projektes und Co-Moderator
des Abschlussabend formulierte in seiner Rede die große Herausforderung,
die das Projekt mit sich brachte. „Welche Sünde haben wir
getan, dass Zebra uns an zehn Samstagen von 9.00 bis 18.00 Uhr arbeiten
ließ.“ Offensichtlich habe sich die Mühsal aber bezahlt
gemacht, wie Ali Alaa kurz darauf ausführte, als die anwesenden
PolitikerInnen nach dem Sinn und Nutzen des Projektes befragt wurden.
Die Tatsache, dass der Bedarf so augenscheinlich vorhanden
ist, sollte uns dazu führen, dass wir gerade im präventiven
Bereich mehr Anstrengungen unternehmen und die GesundheitsreferentInnen
auch wirklich einsetzen, so der Tenor der Anwesenden. In diese Kerbe
schlugen auch die interviewten GesundheitsreferentInnen, die erhofften,
durch die steigende Bekanntheit mehr Einsätze in den Institutionen
zu erhalten, denn der Bedarf sei riesengroß, waren sie sich einig.
Andrea Lins vom FGÖ zeigte sich mit dem Projekt
auch insofern zufrieden, als dass es ein Projekt sei, dass nicht nur
der Zielgruppe in den Maßnahmen nutzt, sondern sie selbst Akteure
sind. „Außerdem hat es gesundheitsvorsorgenden und nachhaltigen
Charakter und das ist für den FGÖ ausschlaggebend“.
Die zehn zertifizierten GesundheitsreferentInnen kommen
aus zehn verschiedenen Ländern (Afghanistan, Ägypten, Ghana,
Iran, Irak, Russland, Senegal, Türkei, Turkmenistan und Tschetschenien)
und haben im Rahmen der beiden Schulungsstufen mittlerweile eine mehr
als 200 Stunden umfassende Ausbildung mit entsprechender praktischer
Erfahrung hinter sich.
Sollten Sie die Unterstützung und Beratung der GesundheitsreferentInnen
benötigen, wenden Sie sich bitte an Verein ZEBRA, Monika
Genböck, Tel.: 0316/835630 – 28.
Im Rahmen des Projektes der Ausbildung der GesundheitsmultiplikatorInnen
ist auch ein Handbuch erschienen. "Exil und Gesundheit" soll
als Arbeitsunterlage dienen, als Einstiegsbehelf für Menschen,
die aufgrund ihres beruflichen Hintergrunds mit MigrantInnen im Gesundheitssektor
zu tun haben.
Das Praxishandbuch ist ebenfalls bei ZEBRA erhältlich unter der
Tel.: 0316/908070-25 oder per mail: zebratl@zebra.or.at.