Politik
SOZIALCHARTA
der Plattform steirischer Sozialinitiativen
- 22. Dezember 2003 -
Präambel
Auf Grundlage wirtschaftspolitisch äußerst fragwürdiger
neoliberaler Prämissen wird seit Jahren der Sozialstaat in Frage
gestellt. Privatisierung, „schlanker Sozialstaat“ und „soziale
Treffsicherheit“ lauten die Schlagwörter, die in einer der
weltweit reichsten Volkswirtschaften nicht durch tatsächliche Mittelknappheit
und wirtschaftliche Zwänge begründbar sind, sondern ihren
Hintergrund vielmehr in einer „Politik der Entpolitisierung“
(Bourdieu) haben, die auf Entsolidarisierung und eine Propaganda der
Eigenvorsorge setzt. Eine solche Politik verschärft Ausgrenzung
und Verarmung und richtet sich letztendlich gegen die Interessen der
Mehrheit der Bevölkerung. Mehrfach betroffen von diesen Entwicklungen
sind Frauen, Langzeitarbeitslose und MigrantInnen sowie prekär
beschäftigte, chronisch kranke und behinderte Menschen.
Entgegen diesen Entwicklungen ist eine Politik zu
fordern, die alle Menschen im Rahmen öffentlicher Sicherungssysteme
im Falle von Alter, Krankheit, Arbeitslosigkeit und Armut unterstützt
und garantiert, dass ein Herausfallen aus dem sozialen Netz verhindert
wird. Bedarfsorientierte und armutsverhindernde Grundsicherung stellt
damit eine zentrale Herausforderung an einen modernen Sozialstaat dar.
Wer wir sind
In diesem Zusammenhang sind die Leistungen zahlreicher steirischer Sozialeinrichtungen
zu sehen, die in den Bereichen Soziales, Gesundheit, Bildung, Arbeitsmarkt
und Integration jährlich Zehntausende von Menschen unterstützen
und sich im Rahmen öffentlicher Verantwortung für soziale
Integration und gegen Diskriminierung aus Gründen des Geschlechts,
der ethnischen Herkunft, einer Behinderung oder der sexuellen sowie
religiösen Orientierung engagieren.
Steirische Sozialeinrichtungen erbringen im Sinne
sozialer Anwaltschaft und des sozialen Ausgleichs unverzichtbare Leistungen
für die Gesellschaft, denen insbesondere auch eine wesentliche
präventive Funktion zukommt, die nicht nur soziale Folgekosten
vermeiden hilft, sondern gleichzeitig auch in einem volkswirtschaftlichen
Kontext sinnvoll ist: Die Mittel für Sozialeinrichtungen zu kürzen
stellt letztendlich nämlich eine auch budgetpolitisch kontraproduktive
und teure Maßnahme dar.
Auf Grundlage der Sozialcharta ist die Plattform
steirischer Sozialeinrichtungen ein parteipolitisch und konfessionell
nicht gebundener Zusammenschluß von Nonprofit-organisationen,
der gegen neoliberale Spar- und Sozialpolitik, gegen Sozialabbau und
für eine längerfristige Absicherung sozialer Einrichtungen
sowie für eine bedarfsgerechte, nichtdiskriminierende und geschlechtssensible
Sozial-, Arbeitsmarkt- und Gesundheitspolitik eintritt.
Über parteipolitische und gesellschaftliche
Grenzen hinweg suchen wir BündnispartnerInnen, die in ihren jeweiligen
Verantwortungsbereichen die Anliegen der Steirischen Sozialplattform
unterstützen.
Unsere Ziele und Forderungen
Angesichts einer enormen strukturell bedingten Arbeitslosigkeit und
einer zunehmenden Prekrisierung von Lebens- und Arbeitsverhältnissen
fordern wir:
-
die längerfristige finanzielle Absicherung
der durch die steirischen Sozialeinrichtungen erbrachten Leistungen;
-
eine nach sozialen Leitlinien umverteilende
offensive Budgetpolitik, die zum Abbau von Arbeitslosigkeit, sozialer
Ausgrenzung und Armut beiträgt;
-
eine bedarfsorientierte öffentlich finanzierte
Grundsicherung;
-
politische Maßnahmen in den Bereichen
Arbeitsmarkt, Soziales, Gesundheit und Bildung, die aktiv und präventiv
an der Herstellung von Rahmenbedingungen orientiert sind, die soziale
Integration im umfassenden Sinn garantieren; Dazu ist es notwendig,
dass alle Verantwortlichen auf Stadt-, Landes- und Bundesebene ihre
Politik nach entsprechenden – kontinuierlich zu evaluierenden
– Zielen, Plänen und konkreten Maßnahmen ausrichten;
-
die Integration aller Betroffenen in die Planung
, Umsetzung und Evaluierung (Organisationen der Betroffenen, WissenschafterInnen,
VertreterInnen aus gemeinnützigen sozialen Einrichtungen, Sozialpartner,
relevante Behörden und Ministerien, politisch Verantwortliche
auf Gemeinde-, Landes- und Bundesebene)
-
klar festgelegte und überprüfbare
nichtdiskriminatorische Zielvorgaben in den vorhin genannten Politikbereichen,
um die Benachteiligung aus Gründen des Geschlechts, der ethnischen
Herkunft, einer Behinderung oder der sexuellen sowie religiösen
Orientierung zu verhindern.