Stellungnahme
Welt-Flüchtlingstag:
Nichts zu feiern am 20. Juni 2004
- 18. Juni 2004 -
Alljährlich wird weltweit
im Juni der Welt-Flüchtlingstag begangen. Ausgerufen vom UNHCR dem
UN-Flüchtlingshilfswerk, ist es ein Tag, an dem zwar wenig Grund
zum Feiern besteht, aber immerhin kurze öffentliche Aufmerksamkeit
für das Schicksal der Heimatlosen, der Vertriebenen und Verfolgten
erzielt werden kann.
Juni im Jahre 2004 – das Motto des heurigen Weltflüchtlingstages
prangt in großen Lettern auf einem Plakat: „A place to call
home“. Einen Ort, den man als Zuhause bezeichnen kann - so einfach,
so selbstverständlich, sollte man meinen - aber für Millionen
von Flüchtlingen, AsylwerberInnen und Vertriebenen keine Selbstverständlichkeit.
Die Leidtragenden der politischen Auseinandersetzungen, der Kämpfe
um Ressourcen, Geld und Macht bleiben meist im Verborgenen.
Und es sind in großem Maße Frauen, Kinder
und alte Menschen, die in Lagern und Zeltstädten in den meist selbst
verarmten Nachbarstaaten der Krisenregionen zu Tausenden auf die Hilfe
der internationalen Hilfsorganisationen angewiesen sind und unter unwürdigen
Bedingungen leben müssen.
Aber wer meint, dass diejenigen wenigen, die ihr Leben
in Sicherheit bringen konnten und in Europa gelandet sind, es geschafft
haben und es ihnen möglich ist, sich hier einigermaßen `zu
hause´ zu fühlen, der irrt.
Sie bleiben Spielball der Politik, werden zu Nummern
und Anträgen degradiert. Jahr für Jahr gibt es Verschärfungen
und Einschränkungen, europaweit wird der Zugang zu einem fairen und
rechtsstaatlich einwandfreien Verfahren immer mehr eingeschränkt,
die Chancen auf Anerkennung des Flüchtlingsstatus beschnitten. Menschen,
die große Strapazen auf sich genommen haben und schwere Traumatisierungen,
Kriegshandlungen und Folterungen überlebt haben, werden in Österreich
als Lügner, Schmarotzer, Schwindler und Kriminelle verunglimpft.
Die aktuelle Bundesregierung hat es darauf abgesehen,
die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen weiter zu verschärfen.
So traten im Mai 2004 ein neues Asylgesetz und eine neue Vereinbarung
zur Versorgung von AsylwerberInnen (§ 15a Vereinbarung) in Kraft,
die zwar als Reform und Verbesserung dargestellt wurden, tatsächlich
jedoch faire und rechtsstaatliche Verfahren immer unwahrscheinlicher werden
ließen, die Versorgung noch schlechter machten und die Willkür
erhöhten. Die Idee, die Länder in die Versorgung mit einzubeziehen
und sie bei der Betreuung nicht nur mitzahlen zu lassen, sondern auch
in die Entscheidungen mit einzubinden, war zwar prinzipiell zu begrüßen,
jedoch die konkrete Umsetzung und die ersten Monate Praxis geben den KritikerInnen
Recht.
Es herrscht das nackte Chaos und die AsylwerberInnen
werden noch mehr zur Verschubmasse, zu Leidtragenden von unfähigem
Management im Ministerium und zum Faustpfand im Streit zwischen Zentralismus
und Föderalismus. Sie werden quer durch Österreich geschickt,
ohne Einflußmöglichkeiten, wie und wo sie in Zukunft leben
werden.
Erschreckende Berichte über katastrophale Zustände
in den oft entlegenen Gasthöfen, völliges Unverständnis
für die Bedürfnisse und die Situation der AsylwerberInnen und
deren Familien, eine chaotische, überforderte Bürokratie und
Kompetenzstreitigkeiten komplettieren das Bild.
Fast möchte man meinen, dass dies Teil einer Strategie wäre,
es den AsylwerberInnen so unangenehm wie möglich zu machen und Situationen
entstehen zu lassen, an denen es eskaliert, um die Flüchtlinge weiter
zu diskreditieren.
Der Tag der Flüchtlinge sollte uns gemahnen, dass
es sowohl an der Solidarität und dem Menschenrechtsbewusstsein jeder/
jedes Einzelnen, als auch an der Bürokratie und Politik liegt, wie
Flüchtlinge aufgenommen und behandelt werden.
Viele Probleme sind bis dato ungelöst und daran
sind nicht die AsylwerberInnen und Flüchtlinge schuld. Die Asylverfahren
dauern viel zu lange. Die Qualität der Asylverfahren ist mangelhaft.
Die Versorgung und Unterbringung ist katastrophal, völlig inadäquat,
es fehlen Regeln und Mindeststandards. Wichtigste Maßnahmen müssen
sein: Qualifizierungsmaßnahmen für Asylbeamte sind durchzuführen.
Beide Instanzen müssen personell aufgestockt werden. Qualitätskriterien
und Richtlinien müssen her, die bei der Betreuung von AsylwerberInnen
Grund- und Menschenrechte sichern und vor Willkür schützen.
Die oft vorhandene Unwissenheit, gepaart mit Inkompetenz
und Ignoranz gegenüber Asylsuchenden ist im Rahmen der Versorgung
und Unterbringung eines professionellen Flüchtlingsmanagements inakzeptabel
und die daraus resultierende Behandlung der AsylwerberInnen für eine
Demokratie unwürdig und erschreckend.
Das alles ist uns anlässlich des Weltflüchtlingstages
eingefallen und für uns ein Grund darauf aufmerksam zu machen und
es gibt, wie schon zu Beginn erwähnt, keinen Grund zum Feiern.
Verein ZEBRA
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