Alphabetisierungscurriculum
Theoretische und praktische Ansätze zur Alphabetisierung
von jungen unbegleiteten AsylwerberInnen


- 04. April 2005 -

AutorInnen: Mag.a Petra Eyawo-Hauk, Mag.a Irene Prix, Julia Schönwiese und Johannes Schrettle

Im Rahmen der österreichweiten Entwicklungspartnerschaft EPIMA beteiligte sich auch der Verein ZEBRA und führte zwei Jahre lang Elementarbildung, Lernbetreuung, Sprachkurse, Alphabetisierungskurse und Orientierung für minderjährige und junge AsylwerberInnen in Graz durch. Ein Produkt dieser Arbeit ist ein Alphabetisierungscurriculum, dessen Inhalt und Hintergrund im folgenden von der Projektleiterin Julia Schönwiese näher vorgestellt wird:

In der Diskussion um die Erfassung des Phänomens Analphabetismus wurde uns sehr schnell bewusst, dass es im Alphabetisierungsprozess nicht lediglich um methodisch – didaktische Konzepte geht, die auf die technischen und kognitiven Aspekte zum Schriftsprachenerwerb angelegt sind, sondern dieser Prozess eine besonders sorgsame Einbettung in aktuelle, kulturelle, soziale und individuell orientierte Überlegungen und Handlungen erfordert. Alphabetisierung wird so zur problemformulierenden Bildungsarbeit, die nicht nur Lesen und Schreiben lehrt, sondern die eigene Lebenssituation als veränderbar begreifbar macht.

Insbesondere für die Zielgruppe junger AsylwerberInnen, die im täglichen Leben mit einer Vielzahl von Grenzsituationen konfrontiert ist, kann ein solcher Ansatz entscheidende Veränderungen bewirken. Er impliziert die Verknüpfung des Schriftspracherwerbs mit der Aneignung von Basiswissen aus dem Bereich der Mathematik und der Natur- und Geisteswissenschaft sowie die Annäherungen an alltagsbewältigende Strukturen, die sich auf kulturelle Verständnisse, Normen, Werte, Gesellschaftssysteme und soziale Umgangsformen beziehen. Unser Alphabetisierungskonzept ist somit ein ganzheitlicher Prozess, in dem auch und vor allem persönlichkeitsbildende Elemente eine wesentliche Rolle spielen.

Der erste Teil des von uns erarbeitete Curriculums befasst sich mit der Theorie des Themenkomplexes, in einem weiteren Kapitel wird auf die spezielle Situation von AsylwerberInnen in Österreich eingegangen und das Leben illiterater Menschen in einer alphabetisierten Gesellschaft thematisiert. Der praktische Teil des Curriculums zeigt anhand eines Beispiels die Umsetzung unserer methodisch–didaktischen Überlegungen auf und beschreibt den Alphabetisierungsprozess und die Wortschatzerarbeitung in sehr anschaulicher Art und Weise, so wie die von uns angewandten weiterführenden fremdsprachen-didaktischen Aktivitäten. Der Anhang bietet neben einer ausführlichen Literaturliste auch eine Materialienliste und einen Auszug aus Materialien, die wir selbst zusammengestellt haben.


Nähere Informationen zum Projekt und zum Curriculum: www.epima.at
Dort können Sie auch das Curriculum downloaden.