Offener Brief an Bürgermeister
Nagl und den Stadtsenat:
NGOs fordern mehr Transparenz bei der Vorgangsweise
zur Einrichtung der Integrationsstelle der Stadt
Graz
Sehr geehrter Herr Bürgermeister!
Anbei dürfen wir Ihnen die Position der in Graz tätigen
Beratungs- und Betreuungseinrichtungen zur Einrichtung der Integrationsstelle
wie folgt übermitteln:
Nach dem Beschluss des Grazer Gemeinderats im Dez. 2004 zur Einrichtung
der Integrationsstelle fand das Hearing für die Auswahl der MitarbeiterInnen
(laut Beschluss zwei gleichberechtigte Personen) im Sept. 2005 statt.
Am 10. September 2005 haben Sie über Medien den Namen einer
der BewerberInnen als Leiterin der Integrationsstelle angekündigt,
ohne die zweite Person zu erwähnen.
Die bisherige Vorgangsweise widerspricht der im Gemeinderatsbeschluss
enthaltenen Leitlinie, wonach die Integrationsstelle als Schnittstelle
zwischen der Stadt und den NGOs fungiert.
-
Mehrere NGOs, die jahrelange Erfahrungen im Integrationsbereich
aufweisen, wurden bei der Konzeption der Stelle nicht eingeladen.
-
Eine der Hauptforderungen der eingeladenen NGOs,
betreffend einer dezentralen Mittelvergabe für Integrationsprojekte,
wurde nicht berücksichtigt und ist weiterhin offen.
Was die Auswahl der MitarbeiterInnen anbelangt, lässt die Bekanntgabe
einer der beiden MitarbeiterInnen darauf schließen, dass möglicherweise
nur eine Stelle besetzt werden soll. Auch diese Vorgangsweise widerspricht
dem Gemeinderatsbeschluss.
Darüber hinaus ist der bewusste Verzicht auf die fachliche Kompetenz
der NGOs beim Hearing einer guten Zusammenarbeit nicht förderlich.
Die großen Versäumnisse in der kommunalen Integrationspolitik
erfordern rasches und professionelles Handeln. Durch die bisherige
Vorgangsweise stellt sich die Frage nach der Zukunft der Integrationsstelle.
Was wird aus ihr? Wurden Mittel für Integrationsprojekte im Budget
2006 überhaupt vorgesehen?
Die in Graz tätigen Beratungs- und Betreuungseinrichtungen treten
hiermit an die politisch Verantwortlichen heran und fordern:
-
einen Neubeginn im Umgang mit Themen, Personen
und Einrichtungen betreffend "Integrationsstelle"
-
Keine zentrale Mittelvergabe, weil sie dem Grundsatz
"Integration ist eine Querschnittsmaterie" zuwider läuft
und den einzelnen mit der Integration befassten Abteilungen keinen
Handlungsspielraum gestattet. Außerdem entsteht bei der Realisierung
dieses Vorhabens eine hohe Abhängigkeit der Mittelempfänger
von einer einzigen Stelle.
Eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen den staatlichen
Institutionen und den NGOs ist der Garant für eine erfolgreiche
Integrationsarbeit. Daher besteht zu Recht die Erwartung, dass die Politik
die dafür notwendigen Rahmenbedingungen schafft und durch entsprechendes
Handeln ein menschenwürdiges und friedliches Zusammenleben ermöglicht.
Graz, 12. Oktober 2005
Danaida - Bildung und Treffpunkt für ausländische
Frauen, Marienplatz 5, 8020 Graz
Helping Hands Graz, Schlögelgasse 9, 8010 Graz
ISOP - Innovative Sozialprojekte GmbH, Dreihackengasse
2, 8020 Graz
Omega - Gesundheitsstelle Graz, Granatengasse 2, 8020
Graz
MigrantInnenbeirat der Stadt Graz, Schmiedgasse 26/Stiege
III/P, 8010 Graz
Zebra, Schönaugürtel 29/I. Stock, 8020 Graz