Interkulturelle Öffnung
am Beispiel des VÖGB


- 17. März 2005 -

Der ÖGB, der im Rahmen des europäischen EQUAL-Programms an einer Vielzahl von Entwicklungspartnerschaften beteiligt ist, wurde durch diese Zusammenarbeit zu einem der wichtigsten und größten PartnerInnen von NGOs und Beratungsstellen. Die verstärkte Notwendigkeit der Kooperation zwischen den Beratungsstellen und dem ÖGB hat zu einem besseren Verständnis und einem sensibleren Bewusstsein auf beiden Seiten geführt. Gerade bei den Themen der Migrationspolitik und der Antidiskriminierungs- bzw. Antirassismuspolitik sind viele gemeinsame Interessen zu konstatieren.

Im Rahmen der Entwicklungspartnerschaft MIDAS erarbeitete der Verein ZEBRA ein Modul, das sich zum Ziel setzte, einerseits „interkulturell kompetente Coaches“ auszubilden und andererseits mit sogenannten PilotprojektpartnerInnen das Prinzip der Interkulturellen Öffnung umzusetzen. Innerhalb der Entwicklungspartnerschaft entstand die Idee, ein ähnliches Programm auch mit der Bildungsabteilung des ÖGB (VÖGB) zu konzipieren und durchzuführen.

Die österreichische Gesellschaft und die Bedingungen am Arbeitsmarkt verändern sich rasch durch viele verschiedene externe Faktoren. Durch Migration wird die Gesellschaft heterogener und multikultureller. Dies ist auch in der Arbeitnehmerschaft verstärkt spürbar.

Für die Bildungsabteilung des ÖGB, die als Dienstleistungsorganisation mit vielen verschiedenen „KundInnen“ - sprich TeilnehmerInnen an Bildungsveranstaltungen - zu tun hat, stellt sich die Frage, wie sie in Zukunft den MigrantInnen entsprechende und ihren Bedürfnissen adäquate Bildungsangebote zur Verfügung stellen kann. Als zweite Frage – für den ÖGB noch gewichtiger – ist zu beantworten, wie MigrantInnen in Zukunft für die Gewerkschaftsbewegung gewonnen werden können.

Drei externe, interkulturell kompetente Coaches, David Pasek, Anahita Shoayian und Snjezana Topic-Zivanic und die Prozessbegleiterin Mioara Girlasu, die alle auch schon im Midas-Programm tätig waren und von ZEBRA gestellt werden, stehen der Bildungsabteilung des ÖGB in einem 6-monatigen Programm bei den Öffnungsprozessen beratend zur Seite und helfen, die ihrer Meinung nach wichtigen Veränderungsprozesse zu analysieren, zu konkretisieren und umzusetzen. Ein wichtiger Grundsatz des Coachingprogramms ist, dass die Maßnahmen, Aktivitäten und Veränderungsprozesse nur in Absprache und im Einklang mit den in der Organisation verantwortlichen und betroffenen Personen diskutiert und entwickelt werden. Diese Personen selbst werden dann auch an dem Veränderungsprozess teilnehmen.

Nach einer Beobachtungsphase von zwei Monaten wurde vom Coaching-Team ein Bericht erstellt, der in weiterer Folge bereits eine Diskussion mit den Beteiligten und Verantwortlichen in Gang gesetzt hat. Schwerpunkt der Diskussion war der Bericht und die darin enthaltenen Wahrnehmungen, Analysen und Einschätzungen der Coaches sowie die vorgeschlagenen Maßnahmen, um zur interkulturellen Öffnung zu gelangen.

Aus diesem Diskussionsprozess entwickelte sich ein gemeinsam durchdachtes und beschlossenes Maßnahmenprogramm, mit dem Ziel des Empowerments von BetriebsrätInnen, um MigrantInnen für die gewerkschaftlichen Initiativen zu interessieren und als neue Gewerkschaftsmitglieder zu werben.

Diesbezüglich wurde eine Kooperation mit der Gewerkschaft HGPD gegründet, um ein Pilotprojekt in einem Reinigungsbetrieb zu realisieren.

Zusätzlich wird an einer Anpassung der Bildungsangebote des VÖGB gearbeitet. Eine erste Arbeitsgruppe mit den Kursverantwortlichen beim VÖGB hat stattgefunden und sehr konkrete Ansätze, die in den folgenden Runden konkretisiert werden sollen, wurden bereits besprochen.