EQUAL-Projekt AGALA
AsylwerberInnen in Gartenbau & Landschaftspflege
Junge AsylwerberInnen in Kursen
- 08. März 2006 -
Seit Oktober 2005 läuft das Projekt
AGALA, in dem ein Team von zunächst zwei TrainerInnen und der Projektkoordinatorin
Julia Schoenwiese im eigens bezogenen Büro in der Hans-Sachs-Gasse
mit einem Intensiv-Deutschkurs für junge AsylwerberInnen beschäftigt
sind.
Achtzehn Jugendliche haben mittlerweile vier Monate mit Deutsch lernen,
aber auch Kursen in EDV, Elementarbildung und Mathematik verbracht.
Entscheidend für die Aufnahme im Projekt war laut Schoenwiese die
Motivation, viel Zeit und Energie in diese Maßnahme zu stecken,
die im Februar 2006 in die zweite Phase eingetreten ist. Hier kamen
neben den Deutschkursen verschiedene Praktika im Bereich Garten- und
Landschaftspflege hinzu. Kooperationen mit landwirtschaftlichen Betrieben
und Ausbildungsstätten sind ebenso geplant wie Workshops, die neben
fachlichen Qualifikationen auch künstlerische Ressourcen fördern
und fordern soll.
„Am Anfang stand die Frage, wo es am Arbeitmarkt
Bereiche gibt, in denen AsylwerberInnen sinnvolle Tätigkeiten verrichten
und Qualifikationen erwerben können, die sich auch über die
viel zitierten und indiskutabel bezahlten `Hilfsjobs´ wie Schneeschaufeln
erheben“, so Projektleiterin Schoenwiese. Natürlich
sei der fokussierte Bereich nicht unbedingt das Traumziel für jeden
Jugendlichen und die AGALA Verantwortlichen stellten auch bewusst hohe
Anforderungen in Bezug auf Engagement und Motivation. So sind es nur
12 Jugendliche, die nach dem Basiskurs an dem folgenden Spezialkurs
teilnehmen werden. Viele davon bringen schon aus der Heimat Kenntnisse
im Bereich Landwirtschaft mit und verfügen damit über Ressourcen,
die sonst nicht zum Vorschein kämen.
Beide Kursteile sind relativ zeitintensiv für
die TeilnehmerInnen, viermal am Tag wird von 9.00 bis 13.00 Uhr die
Schulbank gedrückt, wobei auch im didaktischen Bereich neue Wege
beschritten werden. Ein Großteil des Unterrichts erfolgt individualisiert,
in Form von Angeboten und Materialen die die TeilnehmerInnen auch nach
selbst gewählten Bedürfnissen und Tempo auswählen. Der
klassische Frontalunterricht ist zwar ebenso Teil des Programms, bleibt
aber eher die Ausnahme.
Natürlich ist ein solches Konzept für viele
Lernende, wie auch für TrainerInnen, anfangs sehr anstrengend und
teilweise überfordernd. „Wenn wir aber neben den sprachlichen
Kompetenzen auch zu einer veränderten Sicht auf die eigene Selbstverantwortung
und Selbstbeurteilung kommen, ist das auch ein Erfolg“ so
Trainerin Petra Eyawo.
Dass man dabei das Rad nicht neu erfindet, ist klar,
nicht direktive Unterrichtsansätze sind in der Sprachendidaktik
wie in der allgemeinen Pädagogik ausgearbeitet und werden praktiziert.
Klar ist aber auch, dass das Team sich auf relativ ungesichertem Terrain
bewegt, was aber auch zu den Anforderungen der Geldgeber gehört.
Als Teil des EU-Projekts EPIMA 2 ist man gefordert, Pionierprojekte
zu entwickeln, die neue Wege aufzeigen. Erwähnt sei noch, dass
im Team auch der Einzelcoach Abderrahim Rachdi stundenweise
beschäftigt ist, der mit den TeilnehmerInnen persönliche Ziele
und Perspektiven entwickelt, die nicht nur das Projekt, sondern die
konkrete Zukunftsplanung betreffen.
Ebenfalls an Bord ist Psychotherapeutin Karin
Zilian, die die TeilnehmerInnen teils in Gruppensitzung, teils
in Einzelgesprächen und –therapien, begleitet. Mit Ende des
Basiskurs Ende Jänner schied Johannes Schrettle
als Trainer aus dem Team aus, das nun von der Sozialpädagogin Karin
Knoll verstärkt wird, die hauptsächlich für
die Organisation der Praktika und die diversen Kooperationen zuständig
sein wird. Hinter dem klingenden Namen AGALA verbirgt sich übrigens
keine orientalische Prinzessin, sondern die prosaische Kurzzusammenfassung
des Projekts: AsylwerberInnen in Gartenbau und Landschaftspflege.
Um ein Resumee zu ziehen, ist es knapp nach Beginn
der zweiten Phase jedenfalls noch zu früh.