Anerkannte Flüchtlinge
Zebra-Projekt zur Integrationsunterstützung läuft


- 02. Mai 2006 -

Anerkannte Flüchtlinge werden im Rahmen eines Projektes von ZEBRA seit mehreren Jahren bei der Integration unterstützt, denn im Gegensatz zur landläufigen Meinung stehen ihnen nach der Anerkennung bei weitem nicht alle Türen offen.


In der Öffentlichkeit werden die sogenannten „echten Flüchtlinge“ immer gerne als besonders unterstützenswerte und schützenswerte Gruppe hervorgehoben. Fast alle asylrechtlichen Maßnahmen werden darauf abgestellt, diese Gruppe entsprechend herauszufiltern und vermeintlichen Missbrauch hintanzustellen. Die Realität der anerkannten Flüchtlinge schaut jedoch anders aus. Der rote Teppich wird ihnen fast nirgends ausgerollt, im Gegenteil - die Ankunft in der Realität ist oft recht hart.

Zwar kein roter Teppich, aber...

In den letzten Jahren hat sich die Gruppe der Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) stark gewandelt. Mit dem Auftauchen von neuen Flüchtlingsgruppen - vor allem aus Tschetschenien und Afghanistan - hat sich die Situation verändert. Ein neues Faktum ist dabei das Auftreten von Familiengruppen.

Größere Gruppen von anerkannten Flüchtlingen, die im Sinne eines erweiterten Familienbegriffs zusammengehören, melden mit der Anerkennung „Integrationsbedarf“ an. Bei Familien geht es nach der Anerkennung um eine Reihe von Integrationsschritten für die einzelnen Mitglieder. Nicht nur, dass sie Anrechte auf bestimmte Leistungen haben und gegenüber AsylwerberInnen „Privilegien“ besitzen, sie sind auch nachweislich Verfolgungen ausgesetzt gewesen und leiden daher nicht selten an den Folgen der politischen, organisierten Gewalt, wie etwa PTSD (Posttraumatische Stressreaktionen).

Das Projekt zur Integration von anerkannten Flüchtlingen wird seit zwei Jahren vom Sozialressort des Land Steiermark gefördert. Ziel des Projektes ist es, den Flüchtlingen nach positivem Abschluss ihres Asylverfahrens Beratung, Begleitung und Unterstützung zur Orientierung und Neuorientierung anzubieten und so einen möglichst raschen und nachhaltigen Integrationsprozess einzuleiten.

Durch das Projekt von ZEBRA werden die Themenfelder in organisierter Form über einen längeren Zeitraum organisiert und es steht den Flüchtlingen Beratung, Coaching und Unterstützung zur Verfügung.

.... Beratung beim Notwendigsten.

Innerhalb eines Halbjahres (06/2005 bis 01/2006) wurden im Projekt 62 anerkannte Flüchtlinge, 42 Männer und 20 Frauen, betreut und begleitet. Dabei war die Gruppe der TschetschenInnen die größte (43), gefolgt von 13 AfghanInnen und 4 Flüchtlingen aus dem Iran. Flüchtlinge kamen aber auch aus Kirgisistan und Äthiopien.

Die wichtigsten Arbeitsfelder bestehen im Bereich der Betreuung und Unterstützung bei der Wohnversorgung, bei der Arbeitssuche und der Begleitung durch die komplizierte rechtliche Materie. Flüchtlinge, die in Bundesbetreuung lebten, können nach Anerkennung maximal ein Jahr lang in der Betreuung bleiben, müssen jedoch selbständig wohnen. Die Wohnungssuche stellt ebenso einen Betreuungsbedarf dar, wie der Umzug, die Finanzierung und der Vertragsabschluss bis zu der Anschaffung von Geräten und Ausstattung.

Ein zweiter wichtiger Teil des Projektes ist der Arbeits- und Ausbildungsbereich. In diesem Arbeitsfeld sind die geringen Sprachkenntnisse vieler betreuter KlientInnen ein wesentlicher Nachteil. Viele hatten während des Asylverfahrens noch nicht die Möglichkeit, Deutsch zu lernen, vor allem wenn sie in Regionen außerhalb von Graz untergebracht waren. Viele anerkannte Flüchtlinge müssen daher einen Intensivdeutschkurs absolvieren, bevor sie am Arbeitsmarkt Chancen haben und integrierbar sind.

Ein weiterer Aspekt bei dieser KlientInnengruppe ist, dass die of lange Dauer des Nicht-Ausübens einer bezahlten Beschäftigung, die durch mehrere Phasen entstanden ist (Arbeitslosigkeit im Heimatland aufgrund der bürgerkriegsähnlichen Situation, Flucht und Fluchtstationen, Aufnahme in Österreich, Unterbringung in Flüchtlingspensionen) eine Arbeitsunfähigkeit der KlientInnen erzeugt hat. Nicht zuletzt sei die mangelnde psychische und physische Belastbarkeit von Flüchtlingen aufgrund der Folgen der Verfolgung erwähnt.

Ein dritter Bereich der Arbeit von ZEBRA stellt schließlich die rechtliche Unterstützung dar, bezüglich Familienverfahren und dem Familiennachzug bei anerkannten Flüchtlingen, bei familiären Problemen, beim Ausfüllen von diversen Formularen und Anträgen, sowie Informationen und Aufklärung über soziale Leistungen.

Aufgrund des Projektcharakters sind jedoch nicht nur die finanziellen Ressourcen beschränkt, sondern auch die zeitlichen. „Das Projekt wird jeweils nur für ein Jahr projektiert und muss immer wieder aufs Neue verhandelt und angepasst werden“, wie Edith Glanzer, Geschäftsführerin bei ZEBRA betont. Aufgrund der knappen Ressourcen können dann eben auch nur Wenige im Rahmen des Projektes eine derart qualitativ hochstehende Begleitung erfahren. Der Rest muss sich selbst `durchboxen´.


Nähere Informationen zum Projekt erhalten Sie bei:

Nader Hashem-Mussbacher

Telefon: +43/316/83 56 30 -25
Mail: nader.mussbacher@zebra.or.at
Schönaugürtel 29/II, 8010 Graz