5 Jahre Connecting
People
"Annäherungen"
- 30. Mai 2006 -
Zum
Jubiläum des Patenschafts-Projekts gab es in Wien ein Fest und
ein neues Buch: „Annäherungen – junge Flüchtlinge
und ihre PatInnen erzählen“. Dazu kamen einige prominente
Wegbegleiter, Würdigungen der Projekt-Verantwortlichen und viele
Geschichten von „Betroffenen“ – gelesen aus dem Buch.
Dietmar Kohl war dabei.
Nein, sagt Veronika Krainz, mit soviel Bereitschaft
zu konkreter Hilfe für jugendliche Flüchtlinge in Österreich
habe sie wirklich nicht gerechnet. Damals, 2001, als sie und die Asylkoordination
Österreich dieses „Verbindungs-Unternehmen“
ins Leben riefen. Menschen miteinander zu verbinden oder erst einmal
in Verbindung zu bringen, darum geht es bei Connecting
People.
Junge Leute, manche fast noch Kinder, kommen als Asylsuchende
nach Österreich. Ob sie dafür asylrelevante Gründe geltend
machen können oder nicht, sei hier einmal dahingestellt. Sie suchen
einen Platz zum Leben, wie wir alle. Das fällt uns Eingeborenen
bei guter Zeit schon nicht leicht. Um wie viel schwerer muss es sein,
sich hier zurecht zu finden? Junge Menschen aus allen Teilen des Erdballs:
Afghanistan, Irak, Somalia, Senegal oder Tschetschenien, aus Moldawien,
dem Iran oder aus Äthiopien.
Entflohen der Gewalt, Bürgerkriegen, Verfolgungen
oder einfach nur unerträglichen Lebensverhältnissen. In jungen
Jahren schon viel hinter sich gelassen. Mitgenommen haben sie oft nur
Vorstellungen und unrealistische Erwartungen. Und hier brauchen sie
Aufmerksamkeit, Zuwendung, Hilfestellung im Umgang mit Behörden,
Schulen und Betrieben. Auf dem Weg zur Mitgliedschaft, zur gerade jetzt
wieder viel diskutierten Integration in unsere Gesellschaft.
Österreichische PatInnen können diese Hilfestellung
bieten. Sie sollen den Jugendlichen Zeit schenken, FreundIn sein und
manchmal Elternersatz, auch ein Gegenstück zum latenten Rassismus
im Land. Ja, Mut und Ausdauer gehören zu diesem „Job“.
Asylverfahren dauern meist Jahre. In dieser Zeit leben
die meisten Betroffenen mit der Angst, jederzeit abgeschoben zu werden.
Und für die allermeisten wird diese Angst übrigens auch Realität.
Patenschaften sollen und können in solch unsicheren Zeiten Vertrauen
schaffen. So bleibt dann, auch wenn die Jugendlichen irgendwann wieder
des Landes verwiesen werden, auf beiden Seiten die Erfahrung, dass es
überall auf der Welt Menschen gibt, die sich miteinander verbunden
fühlen.
Fünf Jahre ist es nunmehr her, dass Connecting
People in Wien gegründet wurde. In der Zwischenzeit hat sich das
„Baby“ gut entwickelt und ist über die Grenzen der
Landeshauptstadt, ja sogar des Landes hinausgewachsen. In Graz hat ZEBRA
im Frühjahr 2003 mit Claudia Maczkiewicz als Verantwortliche
die Sache übernommen. Und in München gibt es sie seit Sommer
letzten Jahres bei der Caritas unter dem Namen „Nesola“.
Immer mehr potentielle PatInnen werden in zweimonatigen Seminaren auf
ihre Aufgabe vorbereitet, über 100 Patenschaften wurden bereits
vermittelt.
Grund genug, das Projekt und seine Protagonisten gebührend
zu feiern. Bei einem Fest in der Wiener Diplomatischen Akademie wurde
das anlässlich der beeindruckenden Bilanz herausgegebene Buch über
Connecting People vorgestellt. „Annäherungen“
heißt es, in dem PatInnen aus Wien, Graz und München sowie
die Jugendlichen ihre Geschichte erzählen.
Der österreichische Schauspieler Wolfram
Berger las in einem randvollen Saal einige dieser Geschichten.
Die ORF-Journalistin Barbara van Melle, selbst eine
bekennende Unterstützerin von Connecting People, führte durch
den Abend, an dem neben dem Engagement von Veronika Krainz (Wien), Claudia
Maczkiewicz (Graz) sowie Bettina Pereira und Sabine
Hodek (München) vor allem PatInnen und die Jugendlichen
gewürdigt wurden. Auch eine Abordnung aus Graz vertrat die vielen,
die nicht persönlich nach Wien kommen konnten.
Gewohnt emotional und intensiv fiel die Laudatio von
Peter Sellars aus, dem amerikanischen Starregisseur
vieler Theater- und Opernbühnen der Welt. Persönliches Engagement
zu Gunsten der Schwachen und Unterprivilegierten, und der Mut der jungendlichen
Flüchtlinge, so Sellars, seien in dieser Welt zwar immer noch die
Ausnahme aber gerade deshalb so unverzichtbar, auch als Gegenpol zur
meist menschenverachtenden Haltung von Regierungen und ihrer Institutionen.
Der Regisseur selbst hat mehr als 20 der jungen Flüchtlinge in
seiner Wiener Inszenierung „Children of Herakles“
mitwirken lassen und zeigte sich begeistert über diese Zusammenarbeit.
Last but not least brachte Franz Schmuck, landesweit
bekannter Grazer Musiker („Broadlahn“)
zusammen mit der Vokalgruppe „Insingizi“
aus Mozambique afrikanische Rhythmen und Lebensfreude in die akademische
Hütte.
Nähere Informationen
zum Projekt Connecting People finden sie hier...
Nähere Informationen zum Buch "Annäherungen"
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