Malen nach Zahlen!
- 19. Mai 2006 -
Nach Präsentation der „Integrationsstudie“:
Sträflicher Umgang mit politischer Verantwortung. BM Prokop als
billige Handlangerin der ÖVP Wahlkampfmaschine.
Das Weltbild von BM Prokop ist in höchstem Maße integrationsunfähig:
simpel gestrickt und gegen rationale Überlegungen so gut wie immun.
45% der Muslime in Österreich seien „nicht integrationswillig“,
posaunte sie in der Vorwoche heraus, für genauere Details oder
gar wissenschaftliche Argumente sei es noch zu früh, schließlich
müsse eine entsprechende Studie - vom Innenministerium in Auftrag
gegeben - erst „abgesegnet“ werden. Aufschlussreich dann
ein Interview im Standard, das dem verfrühten Wahlkampfballon folgte:
Dort dementiert sie zum einen, dass sich die 45% auf Integrationsunwilligkeit
bezogen habe, und bekräftigte zum anderen, dass es „...ein
Problem mit der Integration bei einem hohen Prozentsatz gibt.“
Also ging es in der Studie gar nicht um die „Integrationswilligkeit“
des/der Einzelnen sondern vielmehr um die Rahmenbedingungen die Probleme
bereiten? Dafür wäre jedoch vielmehr die Politik und die führenden
Köpfe zuständig.
Der Inhalt der Studie war zu diesem Zeitpunkt noch
unbekannt, mittlerweile aber ist klar, dass die Studie des deutschen
Islamexperten Matthias Rohe weitaus seriöser argumentiert als die
Auftraggeberin: eine summarische Angabe der „Integrationsbereitschaft“
findet sich jedenfalls nicht darin, die Beteuerungen Prokops „....ich
habe nichts Schlechtes gesagt, ich habe lediglich eine Zahl aus einer
Studie genannt“ disqualifizieren sich vor diesem Hintergrund von
selbst. Der BM muss der Vorwurf gemacht werden, dass sie Wissenschaft
und wissenschaftliche Arbeit missbraucht, um vorgefasste Meinungen und
oberflächliche Ausgrenzungspolitik zu betreiben. Eine „tickende
Zeitbombe“ seien diese integrationsunwilligen Muslime, so die
Ministerin schon vorab. Die rhetorische Masche der größeren
Regierungspartei, zunächst mit deftigen Kampfansagen zu punkten
und so BZÖ und FPÖ das Wasser abzugraben um sich dann im nächsten
Schritt als einigend und gemäßigt zu präsentieren, wird
immer offensichtlicher.
BM Prokop ist jedenfalls nicht in der Lage und willens
eine Definition dessen, was „Integration“ sein soll (kann?
darf?) zu liefern. Diese würde nämlich einer politischen Entscheidung
bedürfen, anstatt diffusem Bezug auf „wissenschaftliche“
Daten. So wurde jegliches gesellschaftliche und politische Versagen
im Bereich der Integrationspolitik kurzerhand in die individuelle Verantwortung
der MigrantInnen verlegt: „nicht integrationswillig“ heißt
das dann. Dass die Hälfte der MigrantInnen keine Lust auf gleichberechtigtem
Zugang zu Bildung und Arbeit, zu Wohnungen und Teilhabe an politischen
Entscheidungsprozessen hat, kann doch wohl nicht gemeint sein, oder?
In jedem Fall hat Prokop mit ihrem billigen Wahlkampfgetöse
ihre fachliche und politische Inkompetenz endgültig unter Beweis
gestellt.