Jede/r Achte in der Steiermark Lebende armutsgefährdet
Steirische Sozialplattform legt Wahrnehmungsbericht vor
- 07. Juli 2006 -
MigrantInnen sind armutsgefährdete
Gruppe
Die Plattform der steirischen
Sozialeinrichtungen präsentierte ihren Wahrnehmungsbericht zur
sozialen Lage in der Steiermark. Das 3. Austrian Social Forum (ASF)
vom 15. bis zum 17. Juni 2006 an der Universität in Graz bot den
geeigneten Rahmen dafür.
Das über 40 Seiten starke Dokument, das unter der Federführung
von Maggie Jansenberger (DOKU -Graz) und Robert
Reithofer (ISOP) erstellt wurde, zeigt auf, dass die weltweiten
Tendenzen der Globalisierung, der Deregulierung und des Neoliberalismus
auch und besonders in der Steiermark ihre Auswirkungen zeigen. Besonders
verschärfend wirken sich die zunehmenden prekären Arbeitsverhältnisse
und der anhaltend schwache Arbeitsmarkt aus. Das bemerkenswerte sei
eben dabei, dass die Schere zwischen Reich und Arm weiter aufgehe.
Laut Robert Reithofer sei „ein sozialer Stabilitätspakt
dringend geboten“. Anlässlich der Präsentation des Berichtes
der Plattform – ein Zusammenschluss von über 50 verschiedenen
steirischen Sozialeinrichtungen -- müsse dies die Hauptforderung
sein, denn damit seien nicht nur wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung
von Arbeitslosigkeit und nachhaltige Beschäftigungspolitik gemeint,
sondern auch ein Ausbau und nicht - wie gerne derzeit im neoliberalen
Mainstream geforderte Abbau - von institutionellen Unterstützungsstrukturen.
Jedes Gesetz sollte außerdem einer antidiskriminatorischen Sozialverträglichkeit
unterzogen werden.
Besonders bedrohliche Tendenzen aus dem bericht sind,
dass jede/r achte EinwohnerIn der Steiermark armutsgefährdet ist.
Als solcher gilt, wer weniger als 850 Euro monatlich verdient. Peter
Stoppacher von Institut für Arbeitsmarktbetreuung und
-forschung (IFA) analysiert in seinem Beitrag die Arbeitsmarktsituation
in der Steiermark und macht darauf aufmerksam, das selbst Beschäftigung
zunehmend nicht davor schütze, in die Armutsfalle zu laufen, da
die prekären Jobs und Teilzeitbeschäftigungen weiter zunehmen.
Besonders hervorgehoben werden muss dabei, dass Frauen einem wesentlich
höheren Risiko ausgesetzt sind, armutsgefährdet zu sein. Vor
allem dann, wenn der Hauptverdienst von ihnen allein getragen wird,
z.b. bei Alleinerziehende oder PensionistInnen. Ähnliches gilt
auch für MigrantInnen. Gründe dafür sind niederes Ausbildungsniveau,
gesetzliche Beschränkungen, mangelnde Aufstiegsmöglichkeiten
und Sprachprobleme, die die Integration behindern.
Der Bericht der Sozialplattform weist auch daraufhin,
dass die Arbeitslosigkeit über zehn Prozent in der Steiermark beträgt,
wenn man die in Schulungen befindlichen, erzwungene FrühpensionistInnen
und Personen, die sich gar nicht mehr ins System eingliedern und etwa
kein Arbeitslosengeld beantragen, hinzurechnet.
Neben den unmittelbaren arbeitsmarktrelevanten Bereichen
verbindet der Sozialbericht jedoch auch andere wesentliche Politikfelder
miteinander, wie etwa den Wohnungs„markt“, den Bildungsbereich
und das breite Feld der Gesundheitspolitik. Schließlich widmen
sich verschiedene AutorInnen ausführlich dem Thema der Gewalt und
der Diskriminierung in seinen verschiedenen Ausformungen.