Wahrnehmungsbericht zum Fremdenrechtspaket
2005
Bedenkliche Entwicklungen
- 11. Dezember 2006 -
Ein Jahr nach Einführung der umstrittenen
Änderungen im Fremdenrecht, liegt der Bericht über die praktischen
Auswirkungen vor, die von den großen Hilfsorganisationen sowie
der asylkoordination österreich – dem Dachverband
der Flüchtlings-NGOs, der Öffentlichkeit präsentiert
wurden.
Der Bericht zieht ein ernüchterndes Resümee:
eine Zunahme der Zahl der AsylwerberInnen in Schubhaft um 500% sprechen
eine klare Sprache, die schon vorab erkennbare „Verpolizeilichung
des Asylwesens“ ist mit den Änderungen weiter voran geschritten.
Der Rechtsschutz der Flüchtlinge hat sich etwa durch die Wegnahme
der aufschiebenden Wirkung von Berufungen wesentlich verschlechtert.
'Im neuen Asylgesetz muss man die positiven Änderungen wie
die Stecknadel im Heuhaufen suchen. Die vielen negativen Auswirkungen
treffen vor allem die Schwächsten, wie etwa traumatisierte Menschen',
fasst Anny Knapp von der asylkoordination zusammen.
Gemeinsam mit VertreterInnen von Caritas, Diakonie, Integrationshaus,
Volkshilfe und Rotem Kreuz, die an der Erstellung des Berichts beteiligt
waren, betonte sie die „unmenschlichen Härten“ des
neuen Gesetzes.
Die offiziellen Stellungnahmen, die von Seiten der BMin Prokop, des
noch Koalitionspartners BZÖ und des SPÖ Koalitionsverhandlers
Darabos innerhalb weniger Stunden auf den Bericht erfolgten, machte
für die asylkoordination deutlich, wie wenig seriös die Verantwortlichen
mit dem Thema umgingen. Denn es sei kaum vorstellbar, dass innerhalb
weniger Stunden die Vielzahl an Beispielen und Fakten bereits überprüft
worden seien und alle falsch seien.
Die Zunahme der Schubhaft bei AsylwerberInnen von 455 (Jänner
bis September 2005) auf 2.080 in den ersten 9 Monaten dieses Jahres,
davon überwiegend unmittelbar nach der Einreise, ist eine Tatsache,
die sich zwar verleugnen lässt, ebenso wie dass Mütter durch
die Schubhaft von Ihren Gatten oder Kindern getrennt werden und regelmäßig
Folteropfer und traumatisierte Flüchtlinge in Schubhaft landen,
es ändert jedoch nichts an den Fakten. Die Tatsachen negieren,
die Auswirkungen der eigenen Politik verleugnen, die Öffentlichkeit
manipulieren und diejenigen, die auf die Missstände aufmerksam
machen, diffamieren, zeugt nicht unbedingt von einem professionellen
Verständnis für den Job einer Politikerin und macht deutlich,
wie schlecht das Ministerium geführt wird.