Regierungsprogramm der neuen Regierung
Im permanenten Widerspruch
- 22. Jänner 2006 -
Im Regierungsübereinkommen der neuen
Bundesregierung wird von SPÖ und ÖVP festgehalten, dass es
sich bei der „Integrationspolitik“ um eine Querschnittsmaterie
handle, die in allen Politikbereichen mit zu bedenken sei. Noch im ersten
Absatz der einleitenden Feststellungen bezeichnet die neue Bundesregierung
Integration als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die sowohl seitens
der Zuwanderer als auch seitens der Aufnahmegesellschaft nach Anstrengungen
und Bemühungen verlangt. Vor allem der zweite Teil lässt KennerInnen
der Materie aufhorchen. Bisher galt doch Integration unter dem Einfluß
der FPÖ/BZÖ Paranoiker als Kampfbegriff und Synonym für
Assimilation.
Doch die Freude ist schnell gedämpft. Die beiden
Sätze stehen ziemlich einsam im Kapitel Integration des Arbeitsplanes
der Großen Koalition und beide haben bis auf wenige, einzelne
Ausnahmen keinerlei Auswirkungen auf das Koalitonsübereinkommen
und auf die tatsächlichen Vorhaben der Regierung. Die Ausführungen
im Rest des Kapitels Integration lesen sich fast wie eine schnell zusammmengestellte
„Populistenstehsätzesammlung“ aus den letzten 20 Jahren.
(z.B. Integration vor Neuzuzug)
Von den oben genannten beiderseitigen Anstrengungen
zur Integration bleibt bei näherer Betrachtung nur der Spracherwerb
und der ist ja bekanntermaßen hauptsächlich eine Leistung,
die die MigrantInnen zu erbringen haben. Sonst fällt bei genauer
Lektüre des 167 Seiten starken Programms auf, dass der Regierung
in Sachen Integration nicht viel eingefallen ist: Keine Erwähnung
des zumindest kommunalen Wahlrechtes, keine Erwähnung und Vorschläge
im Bereich der Wohnungspolitik, keine Erwähnung im Bildungskapitel
– abgesehen von der Sprachförderung, keine Erwähnung
in gesundheits- und sozialpolitischen Feldern.
Viel mehr zu sagen hat die Koalition jedoch zum Asylrecht
und da geht es ordentlich zur Sache: Schärfstes Vorgehen gegen
Schlepper, gegen Menschenhandel, strategische Gesamtsteuerung im Asyl-
und Fremdenwesen, Optimierung einer Abschiebepraxis, die Nutzung der
Informationen von Europol und Interpol, Optimierung der internationalen
Zusammenarbeit bei Abwehr- bzw. Abschiebe maßnahmen. Ein Stakkato
an Vorhaben, Ideen und Projekten – nur leider nichts, das die
Genfer Konvention sichert, nichts das das Asylverfahren in Österreich
verbessert, nichts das wenigstens die ärgsten Mängel der letzten
Fremden- und Asylrechtsänderungen beseitigt.
Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen,
muss betont werden, dass dies Themen sind, die unter der Überschrift
Polizei und Sicherheit diskutiert und unter Umständen das eine
oder andere „Problemfeld“ damit auch „bekämpft“
werden könnte. Die umfangreichen Vorschläge zeugen jedoch
nur sehr deutlich, das das gesamte Thema Asyl- und Migration, dringend
einer grundsätzlich neuen Beurteilung unterworfen werden muss.
Ansonsten läuft Österreich – und der Trend geht ja von
der EU sehr stark aus – Gefahr, Menschenrechte, Sozialpolitik
und die Ursachen und Auswirkungen von internationalen Konflikten und
globaler Ungleichheit aus den Augen zu verlieren und ihre eigene Glaubwürdigkeit
in Bezug auf das Migrationsregime noch stärker aufs Spiel zu setzen.
Eine ausführlichen Analyse der Vorhaben zu Asyl
und Migration im Regierungsprogramm können sie im demnächst
erscheinenden ZEBRATL 1-07 lesen.