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März 2007- Vom Flüchtling zum Zebra-Mitarbeiter
Mit Izmir Talic, derzeit bosnischer Botschafter
in Slowenien, konnte Zebra letzten Freitag einen ehemaligen Klienten und
engagierten Kollegen, vor allem aber einen langjährigen Freund des
Vereins in Graz begrüßen.
[Mehr zur Person von Izmir
Talic…]
„Wenn ich im Lager meine Augen schloss“, so Izmir Talic im Pressegespräch, „bin ich immer die Annenstraße hinunter gewandert. Ich weiß nicht wieso, ich glaube, es war das Gefühl von Sicherheit, das ich in diesem Moment hatte. Dann habe ich mir überlegt, ob ich wohl noch einmal diese Straße hinunter gehen werde.“ Ein Gefühl von Sicherheit, das heute viele Menschen, die aufgrund von Krieg und Verfolgung gezwungen werden, ihre Heimat zu verlassen, die zu Flüchtlingen werden und die schließlich in Österreich landen, nicht mehr kennen dürften. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen haben sich seither verschlechtert. Arbeitsverbot, Schubhaft, Abschiebungen machen das Flüchtlingsdasein in Österreich schwerer. Edith Glanzer, Geschäftsführerin von ZEBRA und damals „Chefin von Izmir“ wies auf das besonders belastende Arbeitsverbot hin, das AsylwerberInnen per Gesetz zum Nichtstun verdammt. Zur Zeit des Krieges im ehemaligen Jugoslawien, als die Alpenrepublik für die Bosnienflüchtlinge eines der wichtigsten Aufnahmeländer in Europa war, wurde deren Aufenthalt nicht nur toleriert, sie bekamen auch leichter die Chance auf Integration. Und diese nützte Izmir und fand bei ZEBRA Arbeit. Und gerade die Arbeit mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen und Erlebnisse hinter sich hatten, half Izmir Talic, wie er sagte, das psychische Leid des Krieges zu verarbeiten.
“Es ging einfach darum, wieder ein normales Leben zu führen“, meinte Izmir Talic, und Edith Glanzer ergänzte: „Es kommen Menschen mit unterschiedlichsten Qualifikationen und Kompetenzen nach Österreich und es ist für dieses Land, für diese Volkswirtschaft – ganz nüchtern betrachtet, auch aus Eigeninteresse heraus – eine Schande, dass man diese Ressourcen liegen lässt.“ Wie es Izmir Talic ergangen wäre, hätte er diese nicht bekommen, werden wir glücklicherweise nie erfahren.
Anfang 1991, die Situation in Bosnien verschlimmerte sich zunehmend, sah sich Izmir Talic gezwungen, aus seinem Heimatland zu fliehen. Er gelangte nach Österreich, wo er in einem steirischen Gasthof untergebracht wurde. Als besonders belastend empfand er in dieser ersten Phase seines Flüchtlingsdaseins die Tatsache, nicht gleich arbeiten zu dürfen beziehungsweise nicht in seinem erlernten Beruf tätig werden zu können. Nachdem er in seiner Heimat gerade erst die Ausbildung zum Diplom-Sozialpädagogen abgeschlossen hatte, musste er in Österreich vorerst jede Art von (Hilfs-)Tätigkeit annehmen, die sich ihm anbot, um so die notwendigen Papiere zu erlangen. Mit dem dringenden Wunsch, diese Situation endlich zu verbessern kam Izmir Talic Ende 1991 das erste Mal zu Zebra, als Klient in der Arbeitsvermittlung. Anfang 1992, kurz vor Kriegsbeginn, reiste Izmir Talic zurück nach Bosnien, um seine Eltern aus dem Krisengebiet zu holen. Genau einen Tag vor ihrer geplanten Flucht wurde jedoch die letzte Brücke, die aus ihrem Dorf führte, zerstört, eine Flucht nach Österreich wurde dadurch unmöglich. Bis Ende 1992 mussten Talic und seine Eltern im Kriegsgebiet ausharren, bis sie schließlich vertrieben wurden und in der Türkei landeten, wo sie ein weiteres Jahr zubrachten. Ende 1993 gelang ihnen endlich die Ausreise nach Österreich.
...zum Sozialpädagogen.... Im Herbst 1994 wurde Izmir Talic Mitarbeiter bei Zebra. Als diplomierter Sozialpädagoge, der fließend Bosnisch und Türkisch sprach und auch Deutsch schnell gelernt hatte, übernahm er die muttersprachliche Betreuung von Flüchtlingskindern in den Schulen. Erst auf die St. Andrä Hauptschule in Graz beschränkt, verbreiterte sich dieses Angebot auf Grund der immensen Nachfrage; weitere Schulen folgten. Das Projekt war gleichzeitig auch das erste von der EU geförderte Projekt bei Zebra - wichtige Pionierarbeit also gleich auf mehreren Ebenen.
Anfang 1996, kurz nach Beendigung des Krieges in Bosnien,
äußerte der Vater von Izmir Talic als erster den Wunsch, so
schnell wie möglich wieder in seine Heimat zurückkehren zu wollen.
Für die ältere Generation wären Flucht und Vertreibung
und die Situation im Exil noch um einiges schwieriger zu bewältigen,
wie Talic meinte, nachdem man fast sein ganzes Leben dort gelebt habe,
könne man diese Zeit nicht vergessen machen und in die Zukunft blicken.
So fruchteten auch alle Versuche nichts, seinen Vater davon abzuhalten,
in das Nachkriegschaos seiner zerstörten Heimat zurückzukehren.
..zum Gesundheitsminister... Nach und nach kehrten weitere Familienangehörige nach Bosnien zurück, im August 1997 die hochschwangere Schwester, die zwei Wochen später ihr Baby zur Welt brachte. 1998 reiste schließlich auch Izmir Talic wieder zurück in seine Heimat und damit in eine ungewisse Zukunft. Eine Rückkehr in seine alte Heimatstadt Prijedor war ihm als muslimischer Bosnier nicht möglich, da diese inzwischen in der Republika Srpska lag, also ließ er sich in der Heimatstadt seines Vaters, Sanski Most, nieder. Dort begann auch seine neue Karriere. Zuerst war er in
der Gemeindearbeit tätig, danach in der Kantonalregierung. Schließlich
wurde es zum Minister für Gesundheit und Soziales in der Region Sanski
Most berufen. ...bis zum Botschafter. Im März 2005 wurde Izmir Talic zum Botschafter für
Bosnien-Herzegowina in Slowenien berufen. Sein neuer Arbeitsplatz in Ljubljana
rückt damit Österreich und Graz wieder ein wenig näher.
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