ZEBRATL das
Magazin des Vereins ZEBRA
- Zentrum zur sozialmedizinischen, rechtlichen und kulturellen
Betreuung von Ausländern und Ausländerinnen in Österreich
Nummer 3/2000: "Gefährdet, seine Rechte zu verlieren"
Afrikanische Jugendliche, die zumeist als unbegleitete minderjährige Jugendliche in Österreich gestrandet sind, werden an Grazer Schulen als Referenten und Referentinnen über ihre "alte" Heimat an Grazer Schulen eingeladen. Ein Projekt im Rahmen der ZEBRA Jugendgruppe.
Im ZEBRATL wurde schon mehrmals über die ZEBRA-Jugendgruppe für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge berichtet, die von der Psychotherapeutin Karin Zilian geleitet wird.
Aus der Gruppe entstehen immer wieder verschiedene Aktivitäten, so unter anderem auch die Afrikanische Musikgruppe ZAMA. Das Grundkonzept des neuen Projektes ist schnell erklärt: Flüchtlingsjugendliche sind in Grazer Schulen zu Gast und berichten dort über ihre Länder, ihre Kultur, Sprache, Spiele, über ihre Erfahrungen in Österreich und über die Gründe, warum sie ihre Heimat verlassen mußten. Im Mittelpunkt stehen dabei das gegenseitige Kennenlernen und die aktive Beteiligung. Möglichkeiten gibt es viele, wie z.B. gemeinsames Kochen und Musizieren, das Erlernen von Spielen und Tänzen, oder das Basteln von Schmuck.
Die Unterrichtsinhalte werden in der Jugendgruppe gemeinsam erarbeitet und vorbereitet und die Jugendlichen werden bei ihren Vorträgen in den Schulen von ZEBRA-MitarbeiterInnen begleitet und betreut. Durch dieses Projekt soll den österreichischen SchülerInnen die Angst vor dem Unbekannten genommen und ein interkultureller Dialog gefördert werden. Karin Zilian, die Betreuerin des Projektes: "Wir sehen in dem Projekt aber auch für die afrikanischen Jugendlichen eine Möglichkeit der Begegnung und eine sinnvolle, selbstwertstärkende Betätigung, die es ihnen ermöglicht, aus der Rolle des ´Nehmenden` und Bittstellers herauszutreten und einen aktiven Beitrag zu leisten."
Das Projekt konnte bisher schon an mehreren Schulen sehr erfolgreich durchgeführt werden, wie z.B. in der Volksschule Nibelungen, der Realschule Webling oder der Triester Schule. Besonders hervorzuheben ist dabei das Engagement und die Begeisterung der beteiligten SchülerInnen und LehrerInnen, berichten die afrikanischen ReferentInnen.
Von den Schülern und Schülerinnen der Realschule Webling haben die afrikanischen Jugendlichen nach Abschluß der Projektwoche eine Vielzahl von Briefen erhalten. Da diese Briefe das Projekt und dessen Gelingen wohl am besten illustrieren, möchten wir zwei davon stellvertretend veröffentlichen.
Vor allem afrikanische Jugendliche zwischen 15 und 22 Jahren, die ohne Begleitung der Eltern nach Österreich geflüchtet sind, nehmen an der Jugendgruppe teil. Ziel ist es, die Kommunikation zwischen den Jugendlichen zu fördern, Freundschaften aufzubauen und gemeinsam die neue fremde Kultur verstehen zu lernen. Die Gruppe soll aber auch einen Beitrag dazu leisten, den Alltag der Jugendlichen zu strukturieren, und soll sinnvolle und kreative Beschäftigungsmöglichkeiten entwickeln und umsetzen.
Sehr schnell entwickelte sich die Gruppe als Anlaufstelle für die alltäglichen Sorgen und Probleme der Jugendlichen.