Zebratl 3/2000:  Gefährdet, seine Rechte zu verlieren

 

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- Zentrum zur sozialmedizinischen, rechtlichen und kulturellen Betreuung von Ausländern und Ausländerinnen in Österreich

Nummer 3/2000: "Gefährdet, seine Rechte zu verlieren"


Obiora Ci-K Ofoedu
Morgengrauen
Ein literarischer Bericht

Nachdem am 1. Mai 1999 Marcus Omofuma auf dem Abschiebeflug nach Bulgarien starb, war der in Wien lebende Schriftsteller Obiora Ci-K Ofoedu einer der ersten, der öffentlichen Protest organisierte. Tage später war er als Drogenboss "Charles O." österreichweit bekannt. Die Polizeiaktion "operation spring", bei der man unter Einsatz von Lauschangriff und Rasterfahndung mehr als hundert Afrikaner (hauptsächlich Nigerianer) als mutmassliche Drogendealer festnahm, führte zu einer Ermittlung der Beamten gegen Charles O., den man als Boss eines nigerianischen Drogenringes vermutete.

Danach folgte die mediale Aufarbeitung: Vor allem die Kronenzeitung sparte in ihren Formulierungen die Unschuldsvermutung völlig aus. Vielmehr bemühte sich die Redaktion, die Ereignisse um den Tod von Marcus Omofuma so darzustellen, als wäre auf dem Flug nach Sofia "einer von den vielen nigerianischen Dealern einem unglücklichen Einzelfallfehler der schlagkräftigen Polizeibeamtenschaft zufolge gestorben" ("Der Rauschgiftboss demonstrierte", 29. 5. 99).

Zu dieser Zeit befand sich Charles O. bereits am Beginn der Untersuchungshaft, die drei Monate dauern sollte. Während dieser Zeit begann er unter schwierigen Umständen mit dem Schreiben des Manuskriptes des vorliegenden Buches: oftmaliges Bitten um Kugelschreiber und Bleistift (Charles: "meine Waffen...") verbunden mit der ständigen Angst, dass ihm das Manuskript abgenommen werde, sollten es die Wachebeamten entdecken. Nach einer Haftverhandlung wurde er mangels Beweisen entlassen. Profil und Format berichteten über die Observierer und deren Aufzeichnungen, auf denen die Verhaftung schließlich beruhte. Charles spricht von einer Konstruktion, um über den "Fall Marcus O." medial hinwegzutäuschen, als Menschenrechtsaktivist und Mitorganisator einer Demonstration hätte er als Drogenboss herhalten müssen.

"Morgengrauen" berichtet über den Hergang von Verhaftung und die Situation in der Untersuchungshaft. (Lesen Sie eine Rezension im nächsten Zebratl). Während das Verfahren gegen den Schriftsteller eingestellt – nicht abgeschlossen – ist, befindet sich Charles Ofoedu auf einer Rundreise in Österreich, um sein Buch vorzustellen, aber auch um die BesucherInnen der Lesungen sowie die LeserInnen seines Werkes zum Diskutieren der Begleitumstände aufzufordern. So meint ein ehemaliger Major der Wiener Polizei im Vorwort: "Wer dieses Buch liest, wird sein Verhältnis zum österreichischen Rechtsstaat überdenken müssen".

 
Buchbesprechung Christopf Pammer

 


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