Zebratl 3/2000:  Gefährdet, seine Rechte zu verlieren

 

ZEBRATL das Magazin des Vereins ZEBRA
- Zentrum zur sozialmedizinischen, rechtlichen und kulturellen Betreuung von Ausländern und Ausländerinnen in Österreich

Nummer 4/2000: "Rassismus? Bei uns nicht!"


Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Keine Angst, Sie haben weder eine Nummer versäumt, noch haben wir uns aufgelöst. Im Gegenteil, mit viel Elan, alter Frische und neuen Kräften melden wir uns aus den Sommerferien zurück und haben eine ganze Menge in der Ihnen vorliegenden Nummer gesammelt. Aber davon noch etwas später.

Etwas bemerkenswertes spielte sich am letzten Freitag im September am Hauptplatz ab. Ausländische Taxifahrer demonstrierten gegen die zunehmenden gewalttätigen und rassistischen Übergriffe, die sie fast täglich im Rahmen ihrer Arbeit erleiden müssen. Das bemerkenswerte daran: Ausländer gingen zum erstenmal selbst für ihre Rechte auf die Strasse. Ein wichtiger Schritt war damit getan. Sie traten aus der Anonymität heraus, aus dem Stillschweigen, beendeten den Konsens, dass Ausländer alles zu erleiden und gefälligst zu kuschen hätten. Nebstbei sei gesagt, dass die meisten der Taxler, die sich an die Öffentlichkeit trauten, bereits österreichische Staatsbürger sind, seit vielen Jahren hier leben und von daher eigentlich nichts zu befürchten hätten. Da man "ihnen aber die Abstammung ansieht", hilft ihnen der Reisepass nichts.

Freilich ging das nicht ohne Angst ab und nicht ohne Reaktionen. Aber es war getan und die überwiegend seriöse und faire Berichterstattung über die "Taxlerdemo" gaben den Organisatoren recht.

In der Tat sind die Berichte und Erzählungen der Taxler über ihren Alltag besorgniserregend. Die Palette reicht von der Weigerung, ins gerufene Taxi einzusteigen, wenn ein Ausländer am Steuer sitzt, geht über das explizite Bestellen von "Inländertaxis" bis zu den alltäglichen Beschimpfungen, Gewalttätigkeiten und Prügeln, die die Taxler mitunter beziehen. Als sollte es noch eines Beweises bedürfen, war am selben Tag der Grazer Taxler-Kundgebung ein ägyptischer Taxifahrer bei "Willkommen Österreich" zu Gast, der von einem Fahrgast in Wien krankenhausreif geschlagen wurde. "Wären ihm nicht andere Taxler zu Hilfe gekommen", hätte der Fahrgast ihn wahrscheinlich erwürgt, berichtet das schwer gezeichnete Opfer vor laufender Kamera.

Zwei typische Reaktionen dazu seien noch eingefangen. Erstens, die Funktaxizentralen wissen zwar sehr wohl von den Vorkommnissen, finden aber nichts dabei, die Bestellung der "Inländertaxis" weiter zu geben. Zweitens, wie oft bei der Veröffentlichung von rassistischen Haltungen: "Das Opfer ist schuld, würden sie sich ruhig verhalten, würde so was nicht passieren."

Als hätten wir es gewußt, gilt unser Hauptaugenmerk in dieser Nummer dem Thema Rassismus und seinen vielfältigen Formen. Dabei haben wir uns auch verschiedenen Einrichtungen und Maßnahmen gewidmet, die etwas dagegen tun. Johannes Schrettle, seit kurzem freier Mitarbeiter beim ZEBRATL, blickte in den Arbeitsalltag von MigrantInnen und den vielfältigen kleinen und grossen Diskriminierungen, Ausbeutungen und Rassismen. Angela Lackner-Pilch, ebenfalls ein neues Mitglied in der Redaktion, näherte sich dem Thema von der theoretischen Seite und Dieter Schindlauer und Lothar Komers berichten uns über die Entwicklungen eines Antidiskriminierungsgesetzes. Johanna Eteme ist Leiterin der Geschäftsstelle des Menschenrechtsbeirates und berichtet über die Tätigkeiten.

Und zu guter Letzt hat uns auch noch der sogenannte Weisenbericht herausgefordert. Wer solch einen Auftrag überhaupt annimmt (die Natur der FPÖ!) und dann aufgrund von ein paar Gesprächen mit einigen Vertretern des offiziellen Österreichs glaubt, die "Ausländerpolitik" der neuen Regierung zu kennen, kann - mit Verlaub - nicht weise, nicht klug sein. Denn was glaubten denn die Herren zu finden, nach ein paar Monaten neuer Regierung. Die FPÖ/ÖVP hütete sich während der Beobachtungsphase, an dem Thema anzustreifen. Vielmehr haben die Herren Weisen nachträglich die Politik der großen Koalition betrachtet und wohl für gut befunden. So hat sich Edith Glanzer aufgemacht und eine weise Replik darauf gefertigt.

Mir bleibt, Ihnen noch viel Spass und Anregung beim Lesen der Nummer, zu wünschen und wenn es Ihnen gefallen hat, vergessen Sie nicht, uns weiter zu empfehlen. In Zeiten wie diesen, zählt jedes Abo.

Ihr Wolfgang Gulis

 


Zum Inhaltsverzeichnis

 


file last changed: 13. 10. 2000

Pagemaster: alex trojovsky -- mail -- page