
ZEBRATL das Magazin
des Vereins ZEBRA
- Zentrum zur sozialmedizinischen, rechtlichen
und kulturellen Betreuung von Ausländern und Ausländerinnen
in Österreich
Nummer 5/2000: "Wörter
wie Missetaten messen"
Liebe Leserin, lieber Leser!
Ja, im Herbst geht es bei uns immer rund. Kaum lag die letzte
ZEBRATL Nummer in Ihrem unaufgearbeiteten Postbearbeitungsstoß
an oberster Stelle und erinnerte Sie schmählich an "Ach
ja, da sollte ich auch noch reinschauen", da liegt schon
die nächste Nummer im Postfach. Das blöde daran, sie
will gelesen werden. Sie lechzt geradezu, von Ihnen in die Hand
genommen zu werden und ich kann Sie, jetzt wo Sie es schon getan
haben, wirklich dazu nur beglückwünschen. Sie haben
uns glücklich gemacht. Sie machen nicht nur sich selbst Freude,
sondern auch mir und all den anderen, die in den letzten Wochen
dafür gearbeitet haben, dass diese Nummer auch so geworden
ist, wie wir uns das vorgestellt haben. Halt, ich gebe es zu,
einiges davon ist gelogen. Ein Wesensmerkmal von mir ist, dass
ich nie zufrieden bin und das soll in all der Positiv Denk und
Du hast das ganz fabelhaft gemacht Zeit was heißen. Glauben
Sie mir, das ist schwer durchzuhalten. Alle strömen auf einen
ein und wollen, dass du dich gut fühlst und alles positiv
siehst. Das geht sogar soweit, dass ich noch immer an den Sieg
glauben soll, selbst wenn das Team schon 0:3 zurückliegt.
Aber, meine Anpassung an die Umwelt: Die Ihnen vorliegende Nummer
ist ganz passabel geworden, kann man nichts sagen. Ich will ja
nicht als Ewiggestriger gelten und störrisch wirken! Die
letzte Nummer des Jahres 2000 ist eine kleine und geheime Fortsetzung
der vorigen Nummer "Rassismus? Bei uns nicht!". Wir
haben das Thema natürlich nicht umfassend erörtern können
und so haben wir in diese Ausgabe des ZEBRATLs noch ein bisserl
was reingemogelt.
Dr. Beate Winkler, Direktorin des Europäischen Monitoring
Zentrums von Rassismus und Xenophobie (EUMC) stand uns für
ein Interview Rede und Antwort. Seit das EUMC im April 2000 in
Wien eröffnet wurde, war sie und ihre Institution mehrmals
Ziel von verbalen Attacken.
Johannes Schrettle hat sich in seinem Artikel mit den wissenschaftlichen
Arbeiten von Ruth Wodak zum Thema Diskriminierung und Sprache
näher befasst. Ruth Wodak hat mit ihren sprachwissenschaftlichen
Arbeiten in den letzten Jahren wichtige Grundlagenarbeit geleistet.
Ihre letzte Studie Racism at the Top untersuchte Parlamentsdebatten
in sechs verschiedenen europäischen Ländern auf rassistischen,
chauvinistischen und stigmatisierenden Diskurs.
Detail am Rande, Wodak wurde vom ORF eingeladen, ihre Arbeit zu
präsentieren und über die Ergebnisse der vergleichenden
Studie zu erzählen. Da sie jedoch auch Beispiele von rassistischer
Sprachverwendung im Parlament bringen wollte, vor allem von FPÖ
PolitikerInnen (Haider, Partik-Pable), wurde ihr nahe gelegt,
diese Beispiele wegzulassen. Wodak beugte sich zuerst dem Diktat,
die Sendung durfte ausgestrahlt werden, ließ den vorauseilenden
Gehorsam des ORFs jedoch nicht auf sich sitzen und veröffentlichte
die Vorgangsweise. Kein sehr tolles Kunststück des Staatsfunkes.
Ingrid Egger und Michael Stockinger liefern den ersten Teil eines
Beitrages zur Jahrestagung der Psychosozialen Zentren in Bremen
ab. Der Rest ist bereits bekannt, sofern Sie bei den letzten Nummern
aufgepasst haben. Unser bewährtes Lexikon, der zweite Teil
zur USA Reise und unsere geistige Gaberlstunde, ohne die ein ZEBRATL
so und so nicht mehr denkbar wäre.
Mir bleibt, Ihnen noch viel Spaß und Anregung beim Lesen
der Nummer zu wünschen und wenn es Ihnen gefallen hat, vergessen
Sie nicht, uns weiterzuempfehlen. In Zeiten wie diesen zählt
jedes Abo, der Spruch gilt weiterhin.
P.S.: Wir erwarten sehnsüchtig Ihre Abo Einzahlung!