
ZEBRATL das Magazin
des Vereins ZEBRA
- Zentrum zur sozialmedizinischen, rechtlichen
und kulturellen Betreuung von Ausländern und Ausländerinnen
in Österreich
Nummer 5/2000: "Wörter wie Missetaten messen"
Im September dieses Jahres wurden aus 320 internationalen eingereichten Projekten 4 Projekte von einer ebenso internationalen Jury mit dem europäischen Gesundheitsförderungspreis gewürdigt. Darunter auch das ZEBRA-Projekt "Präventive Gesundheitsarbeit mit Ausländern und Ausländerinnnen", das mit dem Anerkennungspreis der Jury, dem "special mention award" bedacht wurde.
Seit Ende 1998 bildet ZEBRA Männer und Frauen in jeweils 5-monatigen Kursen (2 Abende pro Woche) zu AnsprechpartnerInnen für ihre jeweilige Gemeinschaft ("Peer group") in Gesundheitsfragen aus. Die solcherart zu ehrenamtlichen BeraterInnen ausgebildeten können die wichtigen Informationen über Krankheitsprävention, Ernährungsfragen oder das österreichische Gesundheitssystem als MultiplikatorInnen all jenen zugänglich machen, die in diesem Bereich bisher oft vor unüberwindbaren (sprachlichen, kulturellen) Hindernissen standen.
Die Berichte aus der Praxis der TeilnehmerInnen des ersten Zyklus, deren MultiplikatorInnenausbildung im April 1999 zu Ende ging, bestätigten die Notwendigkeit eines solchen Projekts. So wurde im November 1999, nach dem "Förderungs- und Anerkennungspreis für lebensbegleitendes Lernen des Landes Steiermark 1999" und der Finanzierung durch Land und Bund mit einem zweiten Ausbildungszyklus begonnen, deren TeilnehmerInnenliste ethnisch noch vielfältiger ausgefallen ist als beim ersten Mal: Waren im ersten Jahr hauptsächlich Klienten aus schwarzafrikanischen Ländern dabei, so sind es diesmal Migranten und Flüchtlinge aus Ägypten, Türkei/ Kurdistan, Irak, Thailand, Ghana und dem Kosovo. "Die Auswahl der TeilnehmerInnen vor dem Kurs ist das wichtigste", so die Projektmitarbeiterin Eva Zipper: sie müssen den Kursen in Deutsch folgen, Interesse an Gesundheitsund sozialen Fragen mitbringen und entsprechendes Ansehen innerhalb der Gruppe, in der sie als "Peers" fungieren sollen, genießen.
Der "Europäische Gesundheitsoskar" (O-Ton Gulis), den Eva Zipper am 28. September in Lyon für ZEBRA entgegennehmen durfte, bedeutet eine Bestätigung, in Richtung "Integration von MigrantInnen in die österreichische Gesundheitsvorsorge" (Edith Glanzer) weiter zu arbeiten.
Johannes Schrettle