
ZEBRATL das Magazin
des Vereins ZEBRA
- Zentrum zur sozialmedizinischen, rechtlichen
und kulturellen Betreuung von Ausländern und Ausländerinnen
in Österreich
Nummer 5/2000: "Wörter wie Missetaten messen"
Sigmund, der Protagonist des Buches ist ein kleiner Vogel. Er fällt aus dem Nest "Zack bumm!" auf den Kopf. Ein Trauma eine schlimme Erfahrung. Die Eltern sind verzweifelt.
Der Autor Heinz Janisch widmet dieses wunderbare "Kinderbuch" allen jenen, bei denen es im Leben auch schon einmal Zack bumm gemacht hat. So wie bei Sigmund bedeutet "Zack bumm!" etwas Schlimmes erlebt zu haben, aus der Bahn geworfen zu sein, oder wie im Buch, im übertragenen Sinne aus dem Nest gefallen zu sein. Mir begegnen in meiner Arbeit als Psychotherapeutin im Verein ZEBRA immer wieder Menschen nach extremen Ereignissen. Es fällt ihnen schwer, mit den veränderten Lebensumständen zurecht zu kommen, das innere Erleben ist geprägt von den schrecklichen Bildern des Vorfalls. Und wie beim kleinen Sigmund erscheint es so, als hätte ihnen jemand eine Tür zugeschlagen. Das Selbstvertrauen, die Freude und auch das Vertrauen in die Welt erscheinen nicht mehr zugänglich. Heinz Janisch beschreibt auf wundervolle Weise, wie der kleine Vogel Sigmund seit seinem Sturz aus dem Nest nur noch "Zack bumm!" krächzen und nicht mehr singen konnte. Er fühlte sich nicht mehr als vollwertiger Vogel, war unglücklich über sich, fühlte sich traurig und begann sich zu isolieren. Eines Tages begegnete er dem Hasen Carl Gustav. Dieser erkannte sofort die Not von Sigmund und lud ihn auf sein "Nachdenksofa" ein.
Nachdenksofa
Am "Nachdenksofa" gelang es Sigmund langsam ruhiger zu werden, seine Geschichte und Gedanken zu ordnen. Carl Gustav zeigte Verständnis und Sachkenntnis und macht sich mit Sigmund auf die Suche nach Ressourcen. All die hier beschriebenen Schritte sind sehr wesentlich in der therapeutischen Behandlung von traumatisierten KlientInnen. Es ist wichtig, ihnen an einem ruhigen und sicheren Ort, die Gelegenheit zu geben, wieder Ruhe zu finden und ihr Erlebtes zu ordnen. Das Aufsuchen von vorhandenen Ressourcen stellt die Möglichkeit dar, an schon vor dem Trauma vorhandene Fähigkeiten anzuknüpfen und einen Ausblick in die Zukunft zu ermöglichen. Derart gestärkt geriet Sigmund schließlich in eine Notsituation, in welcher er blitzschnell reagieren musste. Am "Nachdenksofa" bekam er bereits eine Ahnung, dass zu einem Vogel mehr gehört, als nur schön zu singen. In dieser Situation bemerkte er, wie gut er fliegen konnte und war von sich selbst überrascht. Carl Gustav tat nun das, was jeder gute Therapeut tun sollte. Er sicherte diese positive Erfahrung und organisierte das "Zack bumm Flugfest" für die Tiere des Waldes. Alle wurden eingeladen und Sigmund zeigte es ihnen allen, wie gut er fliegen konnte. Da spürte er plötzlich selbst, dass er ein "richtiger" Vogel ist. Einer der halt etwas Schlimmes überlebt hat. Sigmund war glücklich, flog und krächzte "Zack bumm!". "Da war es plötzlich, als hätte jemand eine Tür aufgemacht".
Da dieses Buch auf äußerst liebevolle Weise einen gelungenen Bewältigungsprozess eines Traumas darstellt, gehört es zu einem fixen Bestandteil in meiner therapeutischen Arbeit. Sowohl der Text von Heinz Janisch als auch die Zeichnungen von Helga Bansch sprechen nicht nur Kinder an. Besonders gefällt mir an diesem Buch, dass die Lösung nicht im "wieder heil machen" gefunden wird, sondern im bewusst werden dessen, was trotzdem noch da ist. In diesem Sinne empfehle ich dieses Buch allen, die sich mit Menschen beschäftigen, bei welchen es auf irgendeine Weise "Zack bumm!" gemacht hat.
Ingrid Egger
"Zack bumm!" von Heinz Janisch gezeichnet von Helga Bansch, Verlag Jungbunnen