ZEBRATL das Magazin
des Vereins ZEBRA
- Zentrum zur sozialmedizinischen, rechtlichen
und kulturellen Betreuung von Ausländern und Ausländerinnen
in Österreich
Nummer 1/2001: "Jahrsbericht 2000 und (vorausschauende) Kommentare, ... !"
"Ist die Zeit gekommen, dass Finnisch seinen Platz als
Weltsprache einnimmt?" Offenbar ist es sehr schwierig, auf
diese Frage eine definitive Antwort zu geben. Auf den ersten Blick
scheint es viele Faktoren zu geben, die solch eine Entwicklung
verhindern.
Erstens: Finnisch wird nur von etwa 0,05% der Weltbevölkerung
gesprochen; zweitens: die Sprache kann nicht durch 10 einfache
Lektionen gelernt werden; und drittens: es gibt immer noch Finnen,
die diese Sprache nicht verstehen.
Obwohl die Entwicklung der finnischen Sprache doch ein wenig langsam
ist, gibt es Finnen, die folgende Vorzüge des Finnischen
für eine Weltsprache hervorheben: Wir diskutieren über
eine Sprache, die grundsätzlich logisch ist. Regeln werden
absolut eingehalten, frei von Ausnahmen. Die Sprache ist wohlklingend.
Mit anderen Worten: sie ist eine Freude für die Ohren. Dies
kommt von der überwiegenden Menge von Vokalen, die dumme
Kombinationen von Konsonanten verhindern. Gelegentlich wurde vorgeschlagen,
dass einige Vokale nach Tschechien exportiert werden sollten,
wo ein dauernder Mangel an ihnen herrscht, und einige tschechische
Konsonanten könnten stattdessen importiert werden - aber
Verhandlungen wurden schon vorzeitig abgebrochen. Die Finnen wollten
nichts mit einer Sprache zu tun haben, in der Eiscreme "zmrzlina"
genannt wird, und die Tschechen hingegen waren misstrauisch gegenüber
einer Sprache, in der diese"jäätelöä"
heißt.
Finnisch ist eine prägnante Sprache. Ein finnisches Wort
kann viele Dinge auf deutsch bedeuten. Warum Zeit vergeuden und
"Ausschuss zur Durchführung von Verhandlungen über
die Einstellung von bewaffneten Feindseligkeiten" sagen,
wenn man doch ein einfaches Wort wie "aseleponeuvottelutoimikunta"
benutzen kann? Finnisch lernen gibt Selbstvertrauen. Wer Finnisch
lernen kann, der kann wirklich alles lernen. Die finnische Sprache
hat längere und bessere Flüche als jede andere Sprache.
Im Lichte dieser Fakten muss jedermann sofort zu dem Schluß
kommen, dass die Einführung des Finnischen als Weltsprache
ein Segen für die gesamte Menschheit sein wird. Ein Problem,
das dann auf uns zukommt, ist, die restlichen 99,95% der Weltbevölkerung
dazu zu bringen, Finnisch zu lernen.
Wir haben beschlossen, den Rest der Welt an unseren Erfahrungen
mit dieser Sprache teilhaben zu lassen, und nach einigen Monaten
intensiver (und manchmal verzweifelter) Forschung haben wir die
folgenden Methoden entwickelt, um das anzugehen, was sich bis
jetzt als eine der gewaltigsten linguistischen Herausforderungen
der Welt erwiesen hat.
Substantive und ihre Fälle
Denken sie daran: Selbstvertrauen ist der Schlüssel zum Erfolg.
Niemals zweifeln! Wenn sie beabsichtigen, ein Substantiv zu gebrauchen,
sollten sie sorgfältig die Situation überdenken, wobei
sie das folgende Schema benutzen: Wie heißt das entsprechende
Substantiv auf Finnisch? Einzahl oder Mehrzahl? Welcher Fall?
Nominativ, Akkusativ, Genitiv, Essiv, Partitiv, Translativ, Inessiv,
Elativ, Illativ, Adessiv, Ablativ, Allativ, Abessiv, Kommitativ
oder Instruktiv? Ist es möglich, die Benutzung des Substantivs
zu vermeiden?
Haben sie all dies in dem berühmten Bruchteil einer Sekunde
überdacht, atmen sie tief ein und sprechen die erste Hälfte
des Substantivs mit erhobener Stimme aus, die dann in ein feines
Wispern absinkt, wenn die Endung des Substantives ausgesprochen
werden soll. Diese Methode, ihre Erfahrungen in der Benutzung
der Fälle zu demonstrieren, wird wärmstens empfohlen;
denn schließlich - wenn sie selbst nicht feststellen können,
ob sie alles richtig gemacht haben, kann ebenfalls kein Finne
oder sonst jemand feststellen, ob sie es falsch gemacht haben.
Die grundsätzliche Sache ist, voller Selbstvertrauen zu erscheinen.
Zahlen
Oberflächlich betrachtet, scheinen sehr wenig Ähnlichkeiten
zwischen dem finnischen und dem deutschen Zahlensystem zu bestehen.
Zum Beispiel: yksi - eins, kaksi - zwei, kolme - drei, neljä
- vier, viisi - fünf, kuusi - sechs, seitsemän - sieben,
kahdeksan - acht, yhdeksän - neun, kymmenen - zehn.
Auf den zweiten Blick allerdings werden einige Fakten deutlich,
die dem Anfänger helfen können: "kuusi" und
"sechs" haben beide fünf Buchstaben. "neljä"
und "vier" scheinen um das "e" herum gebaut
zu sein. "seitsemän" und "sieben" haben
offenbar den gleichen Ursprung (beide fangen mit "s"
an).
Weitere Tricks, um Zahlen zu lernen: Vergessen sie die deutschen
Zahlen komplett. So sind sie gezwungen, die finnischen zu benutzen,
um sagen zu können, wie viel Uhr es ist. Falls sie dadurch
später Probleme bekommen, wenn sie Deutsch sprechen müssen,
können sie ein finnisch-deutsches Wörterbuch benutzen,
oder, wenn es nur um Zahlen bis zwanzig geht, ihre Finger und
Zehen zur Hilfe nehmen. Vergeuden sie nicht ihre Zeit, Zahlen
über zwanzig Millionen zu lernen. Es ist höchst unwahrscheinlich,
dass sie einmal so viel Geld besitzen werden, nicht einmal in
Finnmark.
Monate und Tage
Sagen sie "erster Tag", "dritter Tag", "zweiter
Monat", "Monat vor dem vorletzten" usw. Das erspart
ihnen zwei Jahre, in denen sie Namen auswendig lernen müssten
und lässt ihren Gesprächspartner die ganze Arbeit tun.
Direkte Objekte
Die meisten finnischen Grammatikbücher sind besonders einfach
zu verstehen, wenn es um "direkte Objekte" geht. Es
geht ungefähr so: Ein direktes Objekt im Finnischen (allgemein
"Akkusativobjekt" genannt) kann im Nominativ, Genitiv
oder Partitiv stehen. Um alles noch leichter verständlich
zu machen, werden Nominativ und Genitiv "Akkusativ"
genannt. Außerdem gibt es noch einen richtigen Akkusativ,
der aber keinen besonderen Namen hat. Große Vorsicht ist
erforderlich, wenn grammatische Bezeichnungen konstruiert werden.
Wenn sie das Wort "Akkusativ" sehen, kann es Nominativ
oder Genitiv bedeuten, aber niemals Akkusativ; die Bezeichnung
"Nominativ" kann Akkusativ bedeuten oder vielleicht
Nominativ; "Genitiv" kann Akkusativ bedeuten oder einfach
nur Genitiv, während "Partitiv" immer Partitiv
ist, außer es könnte Akkusativ sein.
Verben
Der beste Ratschlag ist: Benutzen sie überhaupt keine Verben!
Eventuell können sie es ein wenig schwierig finden, eine
längere Unterhaltung zu führen, aber fleißiges
Üben macht sie erfahren (wir verringerten die Anzahl von
Fehlern um 20% mit der Methode, Verben fortzulassen. Sie können
weitere 15% schaffen, indem sie alle Adjektive, Adverbien und
Pronomen weglassen, allerdings droht dann die Konversation auf
ein sehr niedriges Niveau abzusinken, falls sie keine Erfahrungen
mit ihren Händen haben).
Aussprache
Einige schwierige Laute und ihre korrekte Aussprache:
ää: wie in "Nähe", länger und intensiver.
Mund so weit offen wie möglich. Ohren weit nach hinten gestreckt.
äy: halb Palatal, halb Alveolar, halb Dental; verächtlich
erscheinen.
yö: seien sie sehr vorsichtig damit
rr: stark gerollt. Lose Zähne sind hier hilfreich.
Dieser Text wurde im Jahre 1989 von Richard Lewis geschrieben
und später von Gunnel Stenberg ins Schwedische übersetzt.
Kari Yli-Kuha übersetzte ihn zurück ins Englische und
schickte ihn ins Internet, wo ihn Paul Lenz fand und ins Deutsche
übersetzte.
Im übrigen schließe ich mich der Forderung, Finnisch
als Weltsprache zu etablieren voll inhaltlich an und freue mich
schon diebisch auf die lautstark den Takt einzählenden Schlagzeuger
diverser Rock- und anderer Bands:
Yksi, kaksi, kolme, neljä!!! Hauts eini Buam!!!
Bis bald, Euer Purz(olainen)!