ZEBRATL das Magazin
des Vereins ZEBRA
- Zentrum zur sozialmedizinischen, rechtlichen
und kulturellen Betreuung von Ausländern und Ausländerinnen
in Österreich
Nummer 2/2001: "Asyl: Grund zur Besorgnis!"
Fünfzig Jahre ist es mittlerweile her, dass die Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) von einer Vielzahl von Staaten in einem feierlichen Akt im Jahre 1951 unterzeichnet wurde. Österreich sollte mit dem Staatsvertrag 1955 und der Übernahme der internationalen Pakte zumindest formell die Grundlage schaffen, fürderhin Mitglied der zivilisierten Welt zu werden. Menschenrechte waren formal rechtlich anerkannt, normiert, festgelegt. Schutz vor Verfolgung und die Anerkennung als Flüchtling dabei ein wichtiger Grundsatz für die weitere Entwicklung der zivilisatorischen Errungenschaften.
Doch inzwischen hat die GFK Rost angesetzt, Glanz verloren, ist salopp gesprochen in die Jahre gekommen. Die Definition des "anerkannten Flüchtlings" ist nicht mehr zeitgemäß. Die Grenzziehung zwischen klassischen Flüchtlingen und Menschen, die "nur" dem wirtschaftlichen Elend oder einem Bürgerkrieg entflohen sind, wird immer willkürlicher. Kritische Stimmen mehren sich und vermeinen, dass dem Prinzip des Schutzes vor Verfolgung längst die Abwehr von Flüchtlingen gefolgt ist.
In der Ihnen hier vorliegenden Nummer haben sich die MitarbeiterInnen des ZEBRATLs dem Thema mit kritischem Blick genähert und das Thema anlässlich des GFK Jubiläums "journalistisch" bearbeitet.
Ein Beitrag ZEBRAs zu diesem kritischen Rückblick und einer Auseinandersetzung über die Zukunft des "Flüchtlings" im erweiterten EU-Europa wird auch eine Tagung unter dem Titel "Ende des Asylrechts?" sein, die am 23. Mai in Graz stattfinden wird (siehe dazu Seite 24).
Wenige Tage vor dem 9. März, dem Tag der Versteigerung von ZEBRAs, die uns von Prominenten gezeichnet wurden, dachten wir kurzzeitig schon, dass wir die gezeichnete Herde nie mehr an den Mann/die Frau bringen würden. Die Aktion gestaltete sich bei den Künstlern derart erfolgreich, dass immer noch ZEBRAs antrabten. Seltsamen Wesen wie von anderen Sternen, aus Klopapierrollen gebastelte Riesenmonster, auf bemalten Holzbrettern, Bastelanleitungen, blauer trojanischer ZEBRAs u.v.m.
Schließlich waren sie am Abend des 9. März fast alle weg, die Scheune war geleert, nur wenige blieben über. Wie schon im Jahr zuvor, blieb das Gefühl zurück, dass die Kostbarkeiten viel zu billig und zu rasch uns wieder verließen. Eigentlich wollten wir sie doch alle behalten. (Den verbliebenen Rest der ZEBRA Herde können Sie auf der Homepage noch besichtigen und erstehen). Die Wiederholung der "Prominente zeichnen ZEBRA"- Idee brachte einen Betrag von ATS 135.000.- für die Integrationsprojekte des Vereines ein. Allen Prominenten, Unterstützern, KünstlerInnen, JournalistInnen, Sponsoren und Helfern sei für den großen Eifer, die tollen Ideen und die unkonventionellen Umsetzungen herzlich gedankt.
Nach dem berührend offenen Bekenntnis in seiner Gaberlstunde und seiner öffentlichen Selbstanklage stehe ich hier und jetzt nicht an, unserem allseits geliebten Glossenschreiber Purz, der uns mit allerlei unnützem Wissen und Unkonventionellem Nummer für Nummer beglückt, von diesem (erhöhten) Platze aus zuzurufen: Es war nur Drohung, ich wollte dich nie kündigen! Wir tragen doch auch soziale Verantwortung, wir können doch deinen armen Eltern im Alter nicht die einzige Einnahmequelle, sei sie auch noch so karg, entreißen, nur weil ihr Sohn ein notorischer Zuspätkommender ist, der noch dazu mieseste Ausreden hat. Du gehörst doch zur Familie.
Soweit zum Internen, ich wünsche Ihnen noch viel Vergnügen beim Lesen und nehmen Sie sich Purzens Schlusszeilen zu Herzen.
Ihr Wolfgang Gulis