ZEBRATL das Magazin
des Vereins ZEBRA
- Zentrum zur sozialmedizinischen, rechtlichen
und kulturellen Betreuung von Ausländern und Ausländerinnen
in Österreich
Nummer 2/2001: "Asyl: Grund zur Besorgnis!"
Heute, liebe Leser und Leserinnen habe ich die Ehre, Sie einen Blick in die Innereien des Zebratl werfen zu lassen. Quasi in die Eingeweide dieser Zeitschrift.
Ganz oben in der Hierarchie des Zebratl thront der Chefredakteur. Doch wie aus anderen Monarchien bekannt, kann er nur so gut sein, wie seine Untertanen dienen. Und hier kommen wir langsam zum Kern des Problems. Der für die Glossenschreiberei zuständige Untertan lässt es, gelinde gesagt an Pflichtgefühl mangeln. Wollte man etwas direkter formulieren und nicht um den heißen Brei herumreden, würde man sagen, er ist ein unzuverlässiger Hundsfott.
Wie dieses, werden sie sich fragen. Schlägt da der Purz plötzlich selbskritische um nicht zu sagen selbstgeißelnde Töne an wobei mir das mit dem Geißeln ein klein wenig zu klerikal klingt.
Ja so ist es ich bitte hier in einem offenen Brief meinen Chefredakteur inständigst um Vergebung.
Stein des Anstoßes ist (jedes Mal) der Redaktionsschluss. Der Herr Chefredakteur errechnet in nächtelanger Arbeit anhand von riesigen, dem Fußvolke nicht verständlichen Tabellen und Ablaufdiagrammen den Zeitpunkt des Redaktionsschlusses, jenes Tages, an dem alle Elaborate, die Eingang in jene Nummer dieses, periodisch erscheinenden Machwerks finden sollen, bei ihm eingetroffen sein müssen. (Wer diesen Satz beim ersten Durchlesen versteht, möge sich bei mir melden, er/sie erhält eine kleine Anerkennung!!)
Lange Rede, kurzer Sinn: Wolfgang sagt, dies ist der Tag des Redaktionsschlusses. Nennen wir ihn, an die Physik angelehnt, den Zeitpunkt t.
Der Herr Chefredakteur tritt also telekommunikativ mit dem, ein wenig in der Peripherie residierenden Glossenschreiber/Gaberlstundler in Verbindung und verkündet ihm mit ernster getragener Stimme: "Purz hier ist dein Chefredakteur, Redaktionsschluss ist zum Zeitpunkt t ich erwarte vorher deine Glosse!" Meistens antworte ich mit unterwürfig hingehauchten Jas oder Natürlichs oder Kein Problems.
Doch dann beginnen sich im Kopf des Gaberlstundlers die Räder zu drehen. Ist t der tatsächliche Redaktionsschluss oder hat der Herr Chefredakteur, meine Unzuverlässigkeit eingerechnet und mir einen Zeitpunkt sagen wir einmal t minus eine Woche verkündet, um meine verspäteten Glossenschreibereien damit für ihn organisatorisch zu entschärfen. Oder hat er gar das t minus zwei Wochen Geschütz aufgefahren? Wer kann schon die Gedanken von Chefredakteuren lesen. Und einfach nachzufragen ist mir doch ein wenig zu banal es würde der Kitzel des näherrückenden, doch trotzdem im Dunkeln liegenden Zeitpunkts t fehlen. Ein bisschen Spannung und Aufregung sollte doch auch im Leben eines Glossenschreibers Platz haben, oder?
Zurück zum Kern des Problems: Über all der Grüblerei, welche t minus irgendwas Variante der Herr Chefredakteur diesmal aus dem Köcher gezogen hat ist der von ihm angegebene Zeitpunkt t unaufhaltsam nähergerückt, ja oft schon so nah, dass kein zeitlicher Abstand mehr zu erkennen ist. Tags darauf trete ich dann in die t plus irgendwas Phase ein, meistens ohne Reue und schlechtes Gewissen. Man beachte: es wurde noch keine Zeile der Glosse verfasst!
Nervöse Zuckungen befallen mich erst, wenn die herrische Stimme des Chefredakteurs aus meinem Hörer quillt, der mir mitteilt, dass es bereits t plus zwei Tage oder t plus zehn Tage ist und ich gefälligst meinen Arsch, respektive das andere Ende meines Körpers, sowie meine Hände in Bewegung setzen soll, um etwas zu Bildschirm zu bringen. Was ich dann meist auch, in echter, tiefgehender Zerknirschung mache.
Werte Leser und Leserinnen, seien sie gut zu meinem Chefredakteur, kaufen sie ein Abo oder vermitteln sie ein Abo an Freunde oder spenden sie einfach erkleckliche Summen für das ZEBRATL!
Denn nur so glaube ich den Chefredakteur milde stimmen zu können und von den mir angedrohten Streichen auf die Fußsohlen abzusehen, sollte ich noch einmal in die t plus irgendwas Phase eintreten.
Euer, heute sehr zerknirschter und schuldbewusster Purz
PS: Diese Glosse wurde t plus dreizehn Tage verfasst!