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- Zentrum zur sozialmedizinischen, rechtlichen und kulturellen Betreuung von Ausländern und Ausländerinnen in Österreich

 

Nummer 2/2001: "Asyl: Grund zur Besorgnis!"

 

 


Spanien
Rüdiger und Jutta, Mohamed und Dahani

Wenn man in einen all-inclusive-Club auf Urlaub fährt, darf man sich nicht wundern. Schon gar nicht in Fuerteventura. Der Barmann nennt sowieso jeden Gast Rüdiger und jede Gästin Jutta. Und wenn man sich nach ein, zwei Tagen daran gewöhnt hat, dass man eigentlich auch in Braunschweig oder Zwickau sein könnte, wird fast alles gut. Fast. Nicht alles: die Animateurin, zum Beispiel, wird nie gut. Aber Braunschweig bei 27°C ist zu ertragen und die ersten 20 Minuten des abendlichen Films "Der Soldat James Ryan" sublimieren für all jene, die noch nicht betrunken sind, die eigenen Mordgedanken des abgelaufenen Tages. Hier sind viele Statisten für mich erschossen worden. Ich bedanke mich mit einigen Gratisbieren von der all-inclusive Bar und gehe in die Disco.

Dort tanzen viele deutsche Frauen zu Rhythmen. Médoune und Dahani können den Samba besser, weil sie ihn etwas lockerer nehmen. Mohamed tanzt nicht so gut, hat aber gültige Arbeitspapiere. Er zeigt sie mir stolz. Er hat sie seit ein paar Monaten und das hat etwas mit den neuen Gesetzen in Spanien zu tun, die ihn legalisiert haben. Und das könnte damit zu tun haben, dass er schon ein paar Jahre lang in Frankreich studiert hatte. Genau versteh ich es nicht. Er verkauft, so wie fast alle seiner Landsleute auf Fuerteventura, afrikanische Stammeskunst, das hat er schon in vielen Ländern gemacht. Er sollte eigentlich auf der Documenta über die Verbreitung der afrikanischen Kunst in Europa referieren, da kennt er sich aus wie kaum ein anderer. In Punkto Überlebensstrategien sind auch Médoune und Dahani wahre Meister. Médoune ist Französischlehrer, Dahani hat auch studiert, eine Frau und ein sechs Monate altes Kind, aber in Mauretanien schaut es so aus, dass es einfach keine Zukunft für sie gibt. Deshalb sind sie weggegangen: Korruption, Fundamentalismus, und das einzige soziale Auffangnetz die Großfamilie.

Fuerteventura liegt nur wenige Minuten von der afrikanischen Küste entfernt und ist daher naheliegendes Fluchtland. Es verspricht über Spanien einen direkten Weg in die EU. Alle drei wissen nicht, wie es legalisierungstechnisch mit ihnen weitergehen soll. Inzwischen darf nur Mohamed halbwegs legal sein, er hat Glück gehabt, oder mehr EU-Jahre auf dem Buckel oder er war einfach braver. Wir tauschen Adressen aus, weil wer weiß, vielleicht dürfen sie ja irgendwann einmal auch reisen. Er schenkt mir eine kleine Bongo-Trommel.

Michael Stockinger


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