ZEBRATL das Magazin des Vereins ZEBRA
- Zentrum zur sozialmedizinischen, rechtlichen und kulturellen Betreuung von Ausländern und Ausländerinnen in Österreich

 

Nummer 4/2001: "Willkommen am Freien Markt?"

 

 


Editorial

Liebe Leser, liebe Leserinnen,

die Ihnen vorliegende Nummer entstand unter besonders schwierigen Umständen – wie sie sich unschwer vorstellen können. Die Terrorkatastrophe und vor allem die bangen Diskussionen danach, was passieren wird und passiert, beherrschten auch unsere Arbeit. Ich wage nicht zu prognostizieren, was zum Zeitpunkt des Lesens dieser Zeilen tatsächlich los ist. Bombardiert die USA Afghanistan, folgen weitere Terroranschläge, entsteht eine weitere Spirale der Gewalt oder werden auch politisch wirksame Mittel eingesetzt? Alles ist möglich.

Alleine die unheilvolle Rhetorik und Wortwahl des US Präsidenten Bush lässt schlimmes erahnen. Immer wenn Menschen sich auf Kreuzzüge oder heilige Kriege gegen das Böse begaben, floss bisher viel Blut und mussten unschuldige im Namen einer totalitären Ideologie, die vermeint die Wahrheit gepachtet zu haben, büßen. Es ist zu befürchten, dass dies für die derzeitige Situation und für alle Seiten auch gilt und eine konkrete und reale Gefahr darstellt. Der Philosoph und Mediator Duss von Werdt meinte in einem Vortrag jüngst in Wien, man solle die Demokratie nicht den professionellen Demokraten überlassen. In diesem Sinne gilt es für mich zu handeln.

Anders als bei einer Tageszeitung, in der die SchreiberInnen ihren Überlegungen, Recherchen, das Gelesene und Gedachte im Produkt Ausdruck verleihen können, steht uns das nicht zur Verfügung. Wie schreibt man ein Editorial, das vor zwei Wochen ebenso aktuell war wie heute? Wie verleiht man seinen Gedanken und Empfindungen nach dem Terrorangriff auf New York und Washington adäquaten Ausdruck ohne platt, veraltet und wiederholend zu wirken? Was wir auch immer schrieben, niemand könnte vierzehn Tage voraussehen, was davon zum Zeitpunkt des Erscheinens auch noch Relevanz hätte.

So blieb uns im wesentlichen zur Tagesordnung überzugehen und die Zeitung möglichst so zu gestalten, wie sie von uns geplant wurde. Mit der entsprechenden Sensibiliserung gibt es unserer Meinung nach dennoch genügend aktuelle Bezüge. Etwa den Beitrag über Musliminnen in Österreich oder dem Zusammenhang von traumatischer Erfahrung und sozialen und gesellschaftlichem Handeln des Einzelnen (siehe Lexikon).

Wir haben uns in dieser Nummer schwerpunktmäßig mit geschlechtsspezifischen Fluchtursachen, der ökonomischen, politischen und religiösen Situation von Frauen in verschiedenen Teilen der Welt (Osteuropa, Afrika, Asien) sowie von Migrantinnen in Österreich beschäftigt. Wenngleich natürlich diese Themenbereiche bei weitem nicht umfassend bearbeitet werden konnten, so haben die beteiligten RedakteurInnen dennoch versucht, spezifische Sichtweisen auf die Lebenswelten von Frauen in verschiedenen Teilen der Welt zu finden. Wir hoffen, dieses Ansinnen gelungen umgesetzt zu haben.

Eine Entschuldigung ist auch fällig! Bei der letzten Ausgabe der "Purzens geistiger Gaberlstunde" ist uns ein schwerer technischer Fehler, wie die Fußballexperten zu sagen pflegen, unterlaufen. Wir haben schlichtweg die falsche Einleitung verwendet, jene nämlich von der Gaberlstunde zuvor.

Wir möchten uns dafür entschuldigen. Ich wünsche Ihnen viel Interesse und Vergnügen beim Lesen

Ihr Wolfgang Gulis

 


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file last changed: 4. 10. 2001

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