ZEBRATL das Magazin des Vereins ZEBRA
- Zentrum zur sozialmedizinischen, rechtlichen und kulturellen Betreuung von Ausländern und Ausländerinnen in Österreich

 

Nummer 3/2002: "Rund und Eckig"

 


Fußball

FairPlay. Viele Farben

Ein Projekt der antirassistischen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit


Die Idee für ein Fußballprojekt mit interkulturellen Zielsetzungen entstand während des Österreichweiten Kulturfestivals Sura za Afrika 1996. Der Plan des Wiener Instituts für Entwicklungsfragen und Zusammenarbeit (VIDC) war, ein Länderspiel zwischen einer afrikanischen Fußballnationalmannschaft – ursprünglich Ghana, dann Äthiopien – und dem österreichischen Nationalteam zu initiieren, was aber schlussendlich an der Unflexibilität des ÖFB scheiterte.

1997 bot sich im Rahmen des EU-Jahres gegen Rassismus die Möglichkeit für NGOs, Projekte für Bildungs- und Informationsmaßnahmen zur Bekämpfung von Rassismus, Xenophobie und Antisemitismus einzureichen. Derzeit umfasst das Projekt zwei Vollzeit- und zwei Teilzeitstellen, bei einem Jahresbudget von 149.000 e für die Aktivitäten in Österreich.

Gerade Fußball

Fußball ist populär und Fußball ist international: Milliarden Menschen verfolgen via TV die großen Events des Fußballsports. Geschätzte 200 Millionen Menschen, die meisten davon männlich, betreiben den Sport aktiv. Kulturwissenschaftler sprechen von Fußball als der globalen  kulturellen Leitwährung der 1990er Jahre, welche die Musik als hegemoniale Popularkultur (also als System, welche kulturelle Werte definiert und formt) abgelöst hat. Wie alle Massen- oder Popularkulturen ist das kulturelle Feld des Fußballs höchst ambivalent: einerseits manifestiert sich Fußball nationalistisch, rassistisch und sexistisch, andererseits kann er aber auch gesellschaftlich emanzipatorisch wirken und zur der Überwindung von Rassismus und Vorurteilen dienen. Daher will sich FairPlay in einem derart gesellschaftlich wichtigen Bereich wie dem Fußball einmischen, pro-aktive Maßnahmen in Zusammenarbeit mit den wichtigsten Akteuren im Feld – also Fans, Vereinen, Verbänden, Medien und MigrantInnen setzen.

Rassismus

In der Rassismusforschung wird davon ausgegangen, dass das Konzept des differenziellen Rassismus ältere Konzeptionen wie den biologistischen Rassismus – wenn nicht wirklich abgelöst  – so doch ergänzt haben.  

Es handelt sich bei diesem differentiellen oder kulturalistischen Rassismus um ein Konzept, welches weniger die Überlegenheit als vielmehr die Unvereinbarkeit der „eigenen“ mit den „anderen“, „fremden“ Kulturen behauptet und im Namen der „Erhaltung“ aller (!) kulturellen „Identitäten“ und ihrer Differenzen für eine territoriale Trennung auftritt. Hier handelt es sich oft um Diskurse, die vordergründig nicht als rassistisch identifiziert werden. Afrikanische Spieler werden mit Stereotypen wie „Instinktkicker“ oder „sie haben den Spielrhythmus im Blut“ belegt.

Es geht FairPlay also nicht nur um die Bekämpfung offener Formen von Rassismus im Stadion – wie Urwaldgeräusche gegen schwarze Spieler oder xenophobe Sprechgesänge („Zick, Zack, Zigeunerpack“) , sondern auch um scheinbar positive gewendete Zuschreibungen. Wesentlich ist auch die Problematik des indirekten Ausschlusses von MigrantInnen und Minderheiten in Fußball-Institutionen, sei es als Funktionäre oder ZuschauerInnen im Stadion.  

Aktivitäten

FairPlay hat bereits erfolgreich Stadionaktionen mit Vereinen der beiden höchsten österreichischen Spielklassen durchgeführt. Mit SK Rapid und Austria Wien sowie Austria Lustenau bei Bundesliga-Spielen im September 2000 und mit dem SV Ried im September 2001 sowie im Rahmen von Freundschaftsspielen gegen die ugandische Nationalmannschaft im Herbst 1998 mit dem SV Ried, Vorwärts Steyr und Wattens. Die Vienna präsentierte FairPlay ihren Fans in der Saison 1997/98.

Von FairPlay wird auch das europäische Netzwerk „Football Against Racism in Europe – FARE“ koordiniert, welches 1999 in Wien gegründet wurde. Mittlerweile sind mehr als 60 Organisationen und Initiativen aus 15 europäischen Ländern im FARE Netzwerk aktiv. Und nach der Europäischen Kommission hat im vergangenen Jahr auch die UEFA die Bedeutung des Einsatzes im Kampf gegen Rassismus anerkannt und FARE mit dem UEFA Charity Award 2001 ausgezeichnet. Der französische Ex-Weltmeister Lilian Thuram nahm bei der UEFA Gala in Monaco im August 2001 den Preis für FARE in Empfang.

Im April veranstaltete FairPlay eine zweite Aktionswoche bei der sich Fanclubs, Vereine und MigrantInnenorganisationen in 17 europäischen Ländern beteiligten. Allein in Wien mobilisierten wir 39 Vereine unter dem Motto „Der Wiener Fußball zeigt Rassismus die Rote Karte“, darunten auch Rapid und Austria sowie Migrantenclubs und Frauenteams.

Die Aktionswoche und andere Projektaktivitäten auf europäischer Ebene werden maßgeblich von der UEFA gefördert, nicht nur finanziell sondern auch mit Beiträgen im UEFA Magazin für die Viertel- und Halbfinale der Champions League. Die neue Partnerschaft mit der UEFA bringt neben der Anerkennung durch den offiziellen Fußball auch mediale Verbreitung, so war ein über 10-minütiges Features über die Arbeit des Netzwerks im UEFA eigenen Champions League TV Programme in 180 Ländern zu sehen. Daneben promotet die offizielle web-site der UEFA, uefa.com, auch regelmäßig die Aktivitäten von FairPlay.

Kurt Wachter, Koordinator der
Initiative FairPlay am Wiener
Institut für Entwicklungsfragen
und Zusammenarbeit (VIDC)

Homepage: www.vidc.org/fairplay

 


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