ZEBRATL das Magazin
des Vereins ZEBRA
- Zentrum zur sozialmedizinischen, rechtlichen
und kulturellen Betreuung von Ausländern und Ausländerinnen
in Österreich
Nummer 3/2002: "Rund und Eckig"
Purzens geistige Gaberlstunde
"Hab’ ich doch gar nicht nötig,
etwas über Fußball zu schreiben ..."
... antwortete ich, werter Leser, geschätzte Leserin, dem Chefredakteur, nachdem er mir eröffnet hatte, dass er für die Glosse dieser ZEBRATL-Nummer die Fußball-Prohibition angeordnet habe. Ich dürfe nichts, aber rein gar nichts über meinen geliebten Ballsport schreiben – diesmal.
Aber wie das eben so mit der Prohibition ist – auch in den USA gab’s zu Zeiten der Alkohol-Prohibition mehr und orgiastischere Gelage, mehr und gewissenhaftere Alkoholiker als jemals zuvor – finden findige Füchse fürwahr (welch wonnig welker Stabreim fließt mir hier aus der Tastatur!) immer Mittel und Wege, das Verbotene einzuschmuggeln, unterzuschieben, sich nicht nehmen zu lassen.
Darum hab ich erst mal den Herrn Chefredakteur eine geschlagene Woche auf die Glosse warten lassen – regelmäßige LeserInnen der Purz’schen geistigen Gaberlstunde kennen dieses, mein Spielchen mit dem Redaktionsschluss bereits.
Und nun soll ich etwas schreiben, ohne jegliche Affinität zum Fußball, ohne Berührungspunkte zum runden Leder. Schwierig, schwierig, zumal genau jetzt, wo ich diese Zeilen zu Bildschirm bringe, im Fernen Osten die Weltmeisterschaft tobt und ich es ja an sich mit Ernst „Aschyl“ Happel, Österreichs unvergessenem multikulturellem Analphabeten halte: „Ein Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag!“
Ja, lieber Leser, mehr aber noch hochgeschätzte Leserin, ich oute mich als Fußballfan, aktiv und passiv, als Panini-Fußballbildchen-Sammler, als Mensch, der unfassbare Speicherkapazitäten seiner grauen Masse zwischen den Ohren mit meist äußerst unwichtigen Daten der Fußballhistorie vollgestopft hat.
Aber ich hoffe, dass die Leserinnen des ZEBRATL so aufgeschlossen sind, mich deswegen trotzdem nicht auf ihre persönliche schwarze Liste der Un-Personen (‚Wenn der kommt, geh ich!’) zu setzen, auch wenn Nick Hornby meine diesbezüglichen Chancen etwas düsterer einschätzt: „Sag einer denkenden Frau, dass du Fußball magst, und du kannst dich auf einen ziemlich ernüchternden Einblick in die weibliche Vorstellung vom Mann gefasst machen!“
Hahaha, Ätsch Herr Chefredakteur, jetzt hab ich schon die halbe Glosse mit Fußball gefüllt. Aber um ihn, den Herrn über die Seiten und Absätze, Bilder und Artikel des ZEBRATL nicht noch böser zu machen, als er ohnehin schon auf mich ist, werde ich mich nun einem anderen Thema zuwenden, und euch eine gar wunderbar lehrreiche Geschichte nahe bringen, deren Sinn und Bedeutung ihr allerdings selbst herausfinden müsst:
Drei Männer gingen zusammen auf Reisen. Der eine war ein indischer Yogi, der zweite ein Sufi-Derwisch, der dritte ein Zen-Mönch. Unterwegs kamen sie zu einem kleinen Fluss. Die Brücke, die ursprünglich darüber führte, war vom Schmelzwasser weggespült worden. „Ich zeige euch, wie man einen Fluss überquert“, sagte der Yogi – und ging doch tatsächlich hinüber und zwar direkt auf der Wasseroberfläche! „Nein, nein, so macht man das nicht“, sagte der Derwisch. „Paßt gut auf, Freunde.“ Er fing an, sich im Kreis zu drehen, schneller und schneller, bis er nur noch ein verwaschener Fleck aus konzentrierter Energie war, und ganz plötzlich – PENG! – sprang er ans andere Ufer. Der Zen-Mönch stand da und schüttelte den Kopf. „Ihr Dummköpfe“, sagte er, „ich zeige euch, wie man einen Fluss überquert.“ Und damit hob er sein Gewand an und watete vorsichtig durch den Fluss.
Nun gut, viel Vergnügen und Erfolg beim Nachdenken, Sinnieren und vielleicht auch Diskutieren und Übertragen in unseren/euren Alltag dieses Geschichtchens.
Ich widme mich wieder der wichtigsten Nebensache der Welt – doch was sag ich da – Nebensache – auch ein weiteres Zitat eines „Fußball-Heiligen“ erspare ich euch zu guter letzt nicht. Es handelt sich dabei um Bill Shankly, FC Liverpool-Trainerlegende der 70er Jahre. Also sprach Bill Shankly: „Einige Leute denken, Fußball sei eine Sache auf Leben und Tod. Ich mag diese Haltung nicht. Ich kann denen versichern, dass Fußball viel ernster ist!“
Und bevor ich nun geistig gänzlich aus dem Leim gehe, beende ich die heutige Gaberlstunde mit einem Zitat meines U-16-Fußballtrainers, der angesichts technisch äußerst versierter Gegner, die beim Aufwärmen ihre diversen Kunststücke (z.B. Gaberln) zum Besten gaben, mich „kantigen“ Verteidiger zur Seite nahm und mir beruhigend lächelnd folgende große Weisheit ins gespitzte Ohr murmelte: „Mitn Gaberln hot no kana a Tor gschossn!“ Recht hatte er – Danke Erich für diesen wundervollen Satz!!
Euer Purz, nicht mit dem Brett, aber mit dem Fußball vorm Kopf