ZEBRATL das Magazin des Vereins ZEBRA
- Zentrum zur sozialmedizinischen, rechtlichen und kulturellen Betreuung von Ausländern und Ausländerinnen in Österreich

 

Nummer 3/2002: "Rund und Eckig"

 



Wohnen


"Heim(at) gesucht"


Wohnen ist mehr als ein Dach über den Kopf. Diese simple Tatsache muss bei MigrantInnen jedoch besonders hervorgehoben werden. Sie ist nicht so selbstverständlich, wie sie klingt. Die rechtlichen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen für in Österreich lebende MigrantInnen erschweren deren Integration. Intoleranz, versteckter oder offener Rassismus gepaart mit mangelndem Unrechtsbewusstsein hinsichtlich dieser Tatbestände machen die Suche am österreichischen Wohnungsmarkt oft zum Spießrutenlauf.

Die Wohnsituation von MigrantInnen wird von zwei Faktoren bestimmt. Erstens: MigrantInnen verfügen im Durchschnitt über niedrige Einkommen, wodurch teurere Wohnungen für sie nicht leistbar sind. Zweitens sind MigrantInnen ohne österreichische Staatsbürgerschaft von der Vergabe der Gemeindewohnungen ausgeschlossen. Die große Mehrheit der MigrantInnen ist daher auf den privaten Wohnungsmarkt angewiesen. Hier ist sie Wohnspekulationen und Diskriminierungen seitens der Vermieter ausgesetzt. Deshalb entstand im August letzten Jahres das ZEBRA-Wohnprojekt.

Die Ratsuchenden sind meist bereits KlientInnen des Vereins ZEBRA, oder auch andere MigrantInnen, die von anderen Vereinen oder via Homepage des Vereins davon erfahren haben. Es sind zum größten Teil Zuwanderer, die schön länger in Österreich leben. Manchmal sind es auch AsylwerberInnen, die vom Sozialamt (noch) die Mittel zur Verfügung gestellt bekommen, sich eine Wohnung bzw. ein Zimmer zu mieten. Meist, weil das Heim, in dem sie wohnen, abgebrochen oder saniert werden muss.

Die unter diesen Voraussetzungen wohnungssuchenden MigrantInnen werden vom ZEBRA-Berater  Ali Ocak jeden Donnerstag unterstützt. Dazu werden von ihm zuerst die persönlichen Bedürfnisse und Möglichkeiten des Wohnungssuchenden erhoben. Die Wohnung soll ja nicht nach kurzer Mietzeit wieder gewechselt werden müssen. Wohnungssuchenden MigrantInnen werden auch noch Begriffe erklärt, etwa die Bedeutung von „Exklusiv- und Inklusivmiete“, Mindestbetriebskosten, Kaution usw.. Mitunter rechnet Ali Ocak auch die Höhe der Wohnbeihilfe aus.

Damit ist aber erst der erste Schritt getan. Danach geht es an die Suche nach Wohnungen. Ali Ocak durchforstet zuerst seine Datenbank – es gibt die Möglichkeit, Wohnungsangebote direkt an ihn zu leiten – danach schaut er alle privaten Anzeigen in Zeitungen und Internet durch. Etwa ein Drittel der Anzeigen fallen schon von vornherein weg, weil in der Anzeige „nur Inländer“, „keine Ausländer“ oder „nur Ausländer aus EU-Ländern“ steht. Ein rein österreichisches Spezifikum öffentlicher Diskriminierung. Auch die günstigen Gemeindewohnungen fallen weg, weil diese nur an österreichische Staatsbürger, EU-Bürger und Konventionsflüchtlinge weitergegeben werden.

Wenn Ali Ocak ein passendes Mietobjekt gefunden hat, hilft er auch bei der Kontaktaufnahme mit dem Vermieter. Hier muss er sehr oft gegen Vorurteile ankämpfen. Er versucht dem Vermieter den Fall zu erklären und Verständnis für die Situation zu schaffen. Allzu oft stößt er damit nur auf taube Ohren. Wenn Ali Ocak im Beisein einer Klientin oder eines Klienten vom Vermieter am Telefon angefeindet wird, „dann würg’ ich das Gespräch so schnell wie möglich ab und sag’, die Wohnung ist schon vergeben. Ein solch intolerantes Verhalten ist sehr verletzend.“

Zusätzlich zu den gezielten Informationen über bestehende Möglichkeiten am Wohnungsmarkt, die notwendig sind, ist aber auch spezifische Beratung wichtig – wie etwa die seit mehr als drei Jahren bei ZEBRA angebotene Wohnrechtsberatung. Diese findet einmal monatlich in Kooperation mit der Österreichischen Mietervereinigung mit muttersprachlicher Unterstützung statt.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind die Wohnungsstandards im Regelfall für die zugewanderte Bevölkerung nach wie vor schlechter als für die einheimische, die Wohnungskosten pro Quadratmeter Nutzfläche aber gleichzeitig ungleich höher. Für die Zukunft könnte eine gezielte Investitionspolitik in die Bausubstanz, aber auch in die Infrastruktur der betreffenden Wohnviertel zur generellen Hebung des Standards und der Wohnzufriedenheit führen.

Alexandra Achatz



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