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INFOPORTAL

LEXIKON

Im Bereich der Ausländer-, Flüchtlings-, und Migrationspolitik gibt es eine Vielzahl von Begriffen, rechtlichen Ausdrücken und Abkürzungen, die für die meisten unverständlich bzw. wenig bekannt sind. Zumal auch eine Vielzahl von Begriffen tatsächlich einen komplizierten Hintergrund aufweisen. Gesetzliche Bestimmungen, Ausnahmeregeln, Handhabung in der Praxis, Interpretation des Gesetzgebers oder der Bundesregierung, Kritik der JuristInnen und Beratungseinrichtungen u.v.m. Noch dazu kommt, daß in den letzten Jahren ständig neue gesetzliche Regelungen, Verordnungen, Weisungen usw. hinzugefügt wurden, sodaß selbst ExpertInnen, BehördenvertreterInnen und SpezialistInnen mittlerweile Mühe haben, immer auf dem neuesten Stand zu sein und zu gelangen.

In jeder Ausgabe des ZEBRATLs finden sie Begriffe erklärt, hier sind sie insgesamt alphabetisch geordnet. Wenn Sie selbst eine Frage haben oder Ihnen ein Begriff untergekommen ist, den Sie gerne genauer erklärt wissen wollen, so schreiben oder faxen Sie an die Zebratl Redaktion, oder schicken Sie uns eine E-Mail.

Community Interpreting (Kommunaldolmetschen)

Wann immer DolmetscherInnen in öffentlichen Einrichtungen, etwa bei ÄrztInnen, im Krankenhaus, bei der Polizei, am Asylamt, am Wohnungsamt etc., zum Einsatz kommen, spricht man in Österreich in Anlehnung an die meist englischsprachige Fachliteratur von Community Interpreting (CI) oder, seit der Einführung dieses Terminus durch Pöchhacker (2000), von Kommunaldolmetschen. Daneben werden auch Begriffe wie Public Service Interpreting, Dialogue Interpreting, Liaison Interpreting oder Cultural Interpreting und andere verwendet – sie sind jedoch wegen ihrer fehlenden Begriffsschärfe oder irreführender Assoziationen zu anderen Begriffen fachlich umstritten.

Im Unterschied etwa zu KonferenzdolmetscherInnen arbeiten Community Interpreters sehr oft in Situationen des täglichen Lebens oder bei Kontakten mit Behörden, in denen es für die KlientInnen um wichtige Bereiche wie Gesundheit, Arbeitsmarkt, Bleiberecht, Unterkunft, soziale Unterstützungsleistungen etc. geht. Die AdressatInnen ihrer Arbeit sind nicht ExpertInnen, die sich im Rahmen einer Konferenz, eines Seminars, einer Geschäftsbesprechung fachlich austauschen, sondern Angehörige einer ethnischen und sprachlichen Minderheit (MigrantInnen, Flüchtlinge oder AsylwerberInnen), die sich im Aufnahmeland in institutionellen Settings oder anderen nichtbehördlichen "alltäglichen" Situationen nicht verständigen können.

Gerade institutionelle Kommunikation ist durch eine spezifische, oft auch für "Einheimische" schwer verständliche Sprache bestimmt. Bei Kontakten mit "Fremden" können sich zudem unterschiedliche soziale und kulturelle Normen, Konventionen, Vorannahmen oder Tabus auf den Gesprächserfolg auswirken. Derartige Situationen sind potenziell konfliktträchtig und manche Gespräche bergen ein hohes Maß an Emotionalität.

Beim CI stimmen die traditionell überlieferten Rollenbilder von DolmetscherInnen als unbeteiligte passive "Sprachrohre", wie sie etwa KonferenzdolmetscherInnen lange Zeit vermittelt wurden, plötzlich nicht mehr oder nicht immer. Empirische Daten zeigen, dass es in solchen Situationen häufig zu Rollenüberfrachtungen kommt: Beide Seiten stellen oft widersprüchliche Anforderungen an die DolmetscherInnen.

Nach wie vor wird dieser anspruchsvolle Bereich in vielen Ländern von "LaiendolmetscherInnen" beherrscht, also Personen, die keine Ausbildung im Dolmetschen haben aber aufgrund ihrer Zweisprachigkeit für Übersetzungen herangezogen werden. Als DolmetscherIn fungieren etwa Freunde, Bekannte, Verwandte (oft auch Kinder) der KlientInnen oder zufällig anwesende Personen. Auch Untersuchungen an Wiener Krankenhäusern belegen, dass Dolmetschleistungen im medizinischen Bereich sehr oft vom Reinigungspersonal erbracht werden. Diese gängige Praxis ist zum einen höchst unprofessionell und gerade in Zeiten der zunehmenden Internationalisierung nicht mehr zeitgemäß. Zum anderen besteht die Gefahr, dass KlientInnen falsch oder unvollständig über wichtige gesundheitliche oder rechtliche Angelegenheiten informiert werden. Und nicht zuletzt stellt diese Situation auch für die LaiendolmetscherInnen eine Belastung dar, vor allem wenn Kinder in heiklen medizinischen oder juristischen Situationen für ihre Eltern übersetzen müssen.

Literatur:
Pöllabauer, Sonja: Community Interpreters lost in translation? In: zebratl 4/2008

Weblink:
Community Interpreting Projekt

siehe auch DolmetscherInnen im Asylverfahren

CPT-Kommission

Der Ausschuss zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe (Committee for the Prevention of Torture – kurz CPT) ist ein Gremium internationaler ExpertInnen, das auf der Grundlage eines von 40 Mitgliedsstaaten des Europarates vereinbarten internationalen Übereinkommens ins Leben gerufen wurde. Staaten, die nicht dem Europarat angehören, können eingeladen werden, dem Vertrag beizutreten. Wesentlichen Anteil am Zustandekommen der Konventionhatten die nationalen NGOs (Non Governmental Organizations) – wie etwa das in Graz gegründete Österreichische Anti Folter Komitee.

Durch die Unterzeichnung verpflichten sich die Mitgliedsstaaten, Angehörigen des CPT die Einreise und den Zugang zu allen Einrichtungen zu gewähren, in denen Personen sind, welchen eine staatliche Behörde ihre Freiheit entzogen hat. Das können sowohl Polizeireviere sein, wie auch Haftanstalten, Polizei- und Militärgefängnisse, sowie Schubhaftgefängnisse bis zu psychiatrischen Anstalten.

Wichtigste Ziele der CPT sind, Mißhandlungen und Folter von Personen in Haft verhindern zu helfen, also präventive Maßnahmen anzuregen und einzuleiten. Die ExpertInnen, die diesem Gremium angehören, kommen aus verschiedenen Berufen und werden vom Europarat auf Vorschlag der Mitgliedsstaaten ernannt. Sie sollen "Persönlichkeiten von hohem sittlichen Ansehen, die für ihre Sachkenntnisse auf dem Gebiet von Menschenrechten bekannt sind oder in den von der Konvention erfaßten Bereichen über berufliche Erfahrungen verfügen."

Die CPT-Kommission besucht die Mitgliedsstaaten regelmäßig, verfaßt nach dem Besuch einen Bericht, der vertraulich ist und der jeweiligen Regierung zur Stellungnahme übermittelt wird. Ziel des CPT ist es, gemeinsam an Verbesserungen zu arbeiten. Die CPT Kommission besuchte Österreich seit 1990 zum dritten Mal. Zwei Berichte liegen derzeit vor, der dritte Bericht ist gerade in Arbeit, da die CPT Kommission im Herbst 1999 in Österreich war. Die breite Öffentlichkeit wurde auf die CPT Kommission im Zuge der Omofuma Affäre aufmerksam. Im CPT Bericht 1994 sind derartige Abschiebemethoden, wie sie bei Omofuma angewendet wurden, ausdrücklich kritisiert worden.

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